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Mittelalterverein Divinus Edictum Mittelalterverein Divinus Edictum

Mittelalterverein Divinus Edictum

Die Ritter besetzen Euba


Winrich von Bosweil, Schwester Maralda und ihre Gefährten meinen es ernst. Seit zweieinhalb Jahren unterwerfen sie sich den strengen Regeln des Deutschen Ritterordens.

Rund 50 Mitglieder des Chemnitzer Mittelaltervereins Divinus Edictum wollen jetzt wenige hundert Meter entfernt von der Eubaer Talsperre ein historisches Ritterdorf mit einer 15 Meter hohen Wasserburg errichten.
Der Verein stellt eine bunte Truppe: Zur mittelalterlichen Gemeinschaft gehören sechs Ritterbrüder (lateinisch: Fratres), sieben Sariantbrüder (Knappen), fünf Schwestern und der Pöbel (das Volk). Mit dem Pöbel sind Schmiede, Töpfer, Lederer, Korbflechter, Seiffener oder "einfache" Frauen gemeint. Das jüngste Vereinsmitglied ist ein Baby, das älteste ein 63jähriger Rentner. Der Mittelalterverein hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Geschichte und Kultur des katholischen Deutschritterordens zu erforschen - durch Nachspielen der Vergangenheit.
"Mich haben Ritterfilme schon immer fasziniert", schwärmt der 35jährige Vereinsvizechef Tonio Werl von seinem Hobby, das er vor einem halben Jahr mit einem Mittelalterladen in der Erdmannsdorfer Straße in Chemnitz auch noch zu seinem Beruf machte. In der Mittelalterszene kennt man Tonio als Ritterhauptmann Winrich von Bosweil. Weil der Deutsche Ritterorden dort wegen seiner strengen Regeln hohes Ansehen genießt, kommandiert er bei großen Schlachten bis zu 200 Mann. "Solche Schlachten finden an verschiedenen Orten in Deutschland und ganz Europa regelmäßig statt. Das ist schon irgendwie merkwürdig, wenn man dann durchs Lager läuft und fast alle vor einem respektvoll auf die Knie gehen."
Die Ritter von Divinus Edictum bevorzugen "Vollkontakt"-Auseinandersetzungen, wirken aber auch bei Schaukämpfen mit. Im eigenen Lager ist alles möglichst authentisch. Schwester Maralda alias Sylvia Thoß schwört aufs Mittelalteressen: "Wir kochen überm Holzfeuer, zum Beispiel Olla Potrida. Das ist ein reichhaltiger Eintopf mit Fleisch, Bohnen, Kichererbsen und gematschtem Brot." Damals habe alles immer schön weich gekocht sein müssen. "Es gab ja noch keinen Zahnersatz. Die meisten Leute waren mit knapp über 20 schon zahnlos. Allerdings betrug die Lebenserwartung im 12. und 13. Jahrhundert auch nur etwa 35 Jahre - aufgrund der hohen Säuglingssterblichkeit." Für die Kehle empfiehlt Maralda Hypocras, einen selbstgemachten Gewürzwein.
Anfang 2010 wurde der Verein vom Mittelalterszenemagazin Mirogue als richtungsweisende Darstellergruppe des Deutschen Ritterordens ausgezeichnet. "Darauf sind wir besonders stolz", sagt Tonio. "Unser Anspruch bei der Darstellung des Deutschen Ritterordens ist sehr viel höher als der bunte Zirkuskram auf den üblichen Mittelaltermärkten."
Die aktuellen Vereinspläne bestätigen dies. Auf einer Fläche von rund zwei Hektar wollen die Rittersleute in den nächsten fünf Jahren eine historische Siedlung nachbauen, inklusive Burganlage. "Es heißt, Ulrich von Iwen habe den Ort Euba um circa 1250 nach Christus gegründet", erklärt Tonio. Er zeigt in Richtung Euba. "Hier ganz in der Nähe, etwa 200 Meter entfernt, soll eine Wasserburg gestanden haben."
Die Fläche fürs Ritterdorf wurde bereits gerodet. Sie wird von einer Baumkette begrenzt. Tonio: "Mit dem Bau der Anlage wollen wir im Frühjahr 2012 beginnen." Geplant sind knapp 20 Hütten - Wohnraum, Handwerk, Schenke, Kapelle, Ställe, Toiletten. "So viel wie möglich bis Ende 2012."
Die 15 Meter hohe Burg (Fläche: 7,50 mal 7,50 Meter) soll in spätestens fünf Jahren stehen. Die Zelte auf dem Adelsberg, wo der Verein die letzten zwei Jahre schon erfolgreich Wurzeln geschlagen hatte, wurden bereits abgebrochen. "Es gab Schwierigkeiten mit diversen Genehmigungen. Aber jetzt haben wir ja etwa zehn Mal mehr Platz", jubelt der schwarzbekreuzte Ritter. Am Wochenende wird weiter gewerkelt. Regelmäßiger Showdown zum Sonntag: Ab 16 Uhr bittet Winrich von Bosweil seine Ritter zum wöchentlichen Kampftraining. Besucher, Helfer und Spenden sind immer willkommen.


Internet:

www.divinus-edictum.de
www.eywenburg.de



Wort und Bild: Frank Selig