Jens-Paul Wollenberg
Neu und viereckig
Jens-Paul Wollenberg (Foto) war mal Briefträger und Koch, ist Liedermacher, Sänger und Schauspieler und bringt am 15. Oktober im Anton Hannes sein Buch neu heraus.
Den lange vergriffenen Sammelband "Die Geschichte vom einsamen Selb" hat er überarbeitet und ergänzt - nun ist das Ganze wieder lieferbar, heißt "Drei Treppen tiefer" und enthält zudem Bilder von Uta Pilling (sie nennt diese "Arbeitsplatz-dokumentationen"). Der rührig-aktive FHL Verlag machte die Neuausgabe möglich und richtet auch die Buchpremiere im Anton Hannes, dem ehemaligen Protzendorf, aus. Die Verbindung zwischen Autor und Verlag stellte übrigens Malte Cordes her, ein Stammgast in Jens-Paul Wollenbergs Stammbühne Stötteritzer Margerite sowie selbst Lesender und Bühnenakteur. Bleiben wir gleich bei derMargerite: Dort ist Original Wollenberg nach wie vor präsent und gestaltet beispielsweise am 12. November einen Ingeborg-Bachmann-Abend ("Unter Mördern und Irren") - beim eifrigen Achim Richter, der an Ort und Stelle schon lange die kulturelle Fahne hochhält und auf diese Weise für einen "angenehmen Farbtupfer" sorgt, wie Jens-Paul Wollenberg sagt.
Die "Rhapsodie der Hirnhornhäute" wiederum - mit Texten, die auch im neuen Buch enthalten sind - steht am 31. Oktober in der Nato auf dem Programm. Der Liedermacher bietet sie gemeinsam mit der Gruppe Pojechaly dar. Stichwort: Liedermacher. Was bist du, Liedermacher, kann man denn davon leben?, sei er immer wieder gefragt worden, erzählt Jens-Paul Wollenberg und antwortet mittlerweile in solchen Situationen: Was bezeichnest du denn als Leben?
Zu seinem Leben gehört derzeit, immer mal wieder nach Berlin zu fahren, um dort die neue CD "Die Siebenschläfer sind erwacht" (oder auch "Die sieben Schläfer sind erwacht" - hier wird mit verschiedenen Bedeutungen gespielt) für Raumer Records aufzunehmen. Das Werk soll noch in diesem Jahr herauskommen. Der titelgebende Text ist - klar! - im Buch zu finden. Wie auch folgendes kurzes Fragegedicht: "Ach Vater / Ach Mutter / Was ist passiert / Erst wurd ich verstaatlicht / Jetzt privatisiert".
Ein Buch für sich ist Robert Louis Stevensons "Schatzinsel" - sowie ein erfolgreiches Stück des Leipziger Theaters Pack. Dessen Chef Frank Schletter wohnte einst Tür an Tür mit Jens-Paul Wollenberg und versuchte diesen für die Schauspielerei zu begeistern. Mit der "Schatz-insel" hat's geklappt, auf der Sommerbühne im Plagwitzer Westwerk lief das Ganze mit großem Erfolg. Und nächstes Jahr geht's weiter ...
Die Schlusssentenz soll dem einstigen Zappa-Kumpan Captain Beefheart gehören. Jens-Paul Wollenberg ist Fan ("Der hat mich musikalisch sehr erreicht") und der Captain offensichtlich kein Freund von Büchern gewesen: Die seien ihm zu viereckig, er glaube an den Kreis ...

