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Der BLITZ!-Wegweiser zu den Konzert- und Party-Highlights des Herbstes

Näher ran an die Idole

Bob Dylan
Es herbstet recht sehr. Der Sommer, der keiner war, verabschiedet sich, und endlich setzt die Regenzeit ein. Die Zeit der großen Festivitäten auf der grünen Wiese ist für dieses Jahr vorbei, der Rock and Roll zieht sich in die Hallen und Clubs zurück. Was durchaus seine eigne Spannung hat. Hier sind die Künstler wieder unter den Bedingungen zu sehen, die sie selber so wollen und nicht auf der gleichen Bühne wie zig andere. Hier gibt es mal wieder die Chance, wirklich nahe heranzukommen an die Götter. Mit 15.000 Menschen vor einer Open-Air-Bühne stehen ist das eine, die Schweißtropfen auf der Stirn des Gitarristen zählen zu können, das andere. Klappt natürlich nicht immer. Manchmal tobt der Moshpit zu heftig und manchmal gibt es keine Schweißtropfen. Wie etwa bei Bob Dylan. Dafür dann eben Legende satt. Es ist auf jeden Fall für jeden Geschmack und jeden verregneten Herbsttag etwas dabei und wie immer gilt: Rechtzeitiges Anstellen an der Vorverkaufsstelle des Vertrauens erspart den Frust an der Abendkasse.


Dylan & Knopfler

Mark KnopflerEin Gipfeltreffen der Superlative. Diese beiden Liederschreiber, deren künstlerische Viten unterschiedlicher kaum sein dürften, könnten mit ihren bisherigen Einkommen wahrscheinlich Griechenland retten. Oder wenigstens ein passables Angebot auf die schönsten Teile davon machen. Bobs Songs führten längst die 68er Revolten an, als Mark noch brav zur Uni ging. Als Knopfler nach dem Examen beschloss, nun doch berühmt zu werden, und die Dire Straits gründete, hatte man Dylan schon das zweite Mal abgeschrieben. Beide haben auch nicht etwa die Gründung eines neuen Pop-Duos im Sinne, sondern werden in zwei unabhängigen Konzerten an einem Abend ihre großen Hits zelebrieren. Davon haben sie jede Menge!

27.10. Leipzig, Arena




Frida Gold

Frida Gold Bereits die erste Single der Band aus Hattingen im Ruhrpott lief unter einem Werbespot von MTV und ging folgerichtig in die Charts. Die Band spielte im Vorprogramm der Kylie-Minogue-Tour und auf der Reeperbahn bei der Übertragung des Eurovision Song Contests. Da war im Background schon schwer gedreht worden, Sängerin Alina Süggler kam auch in die deutsche Jury dieses Wettbewerbs. Die Single "Wovon sollen wir träumen" war der offizielle ZDF-Song zur Frauen-Fußball-WM 2011. Und mit der Auskopplung Nummer 4 aus ihrem Debüt-Album, betitelt "Unsere Liebe ist aus Gold", vertraten sie Nordrhein-Westfalen bei Stefan Raabs BuViSoCo.

27.10. Leipzig, Anker
29.10. Dresden, Beatpol
30.10. Erfurt, Centrum




Sunrise Avenue

Sunrise Avenue Eine der vielen verrückten Rock-and-Roll-Erfolgsgeschichten aus Finnland. Schon vor 20 Jahren in dem kleinen Nest Espoo gegründet, ging ihre Sonne 2001 mit dem Über-Hit "Hollywood Hills" auf. Seitdem liebt ganz Europa ihren griffigen Rock mit den Mitsingmelodien und den Lausbubencharme von Sänger Samu Haber. Von diesem Song und seinen zwölf Nachfolge-Auskopplungen haben sie über eine Million Singles verkauft, was heutzutage fast einem Wunder gleichkommt. Die aktuelle Single "I Don't Dance" - da sind sich Kritiker und Fans einig - hat das Zeug, an den großen Dauerbrenner anzuknüpfen. Schon jetzt wird das Stück auf vielen europäischen Radiostationen rauf und runter gespielt. Achtung: Die Tickets für die Herbsttour werden knapp!

28.10. Dresden, Alter Schlachthof





Zucchero

Zucchero Er ist der italienische Rockstar schlechthin. Sein Künstlername heißt auf deutsch tatsächlich schlicht "Zucker" und ist der Spitzname seiner Kindheit. Sein Album mit dem wunderschönen Titel "Oro, incenso e birra" (Gold, Weihrauch und Bier) von 1989 (da war er Mitte 30) hält noch immer den Rekord des bestverkauften Albums in Italien überhaupt. Seine internationale Erfolgsstory begann erst ein paar Jahre später mit einem Duett: Gemeinsam mit Paul Young sang er den niveauvollen Schmachtfetzen "Senza una donna". Mit solchen Kollaborationen fuhr er danach weitere Riesen-Hits ein. Etwa "Wonderful World" gemeinsam mit Slowhand Eric Clapton, "Diamante" mit Randy Crawford oder "Miserere" mit Luciano Pavarotti.

03.11. Leipzig, Arena




Rihanna

Rihanna Seit die Sängerin aus Barbados, klug und zielstrebig in ihrer Heimat von einem Ami-Talentscout entdeckt und aufgebaut, Mitte der Nuller Jahre in den Charts auftauchte, ist ihr Leben und ihre Karriere mit Hit-Singles, Mega-Platin-Alben und immer neuen Rekorden gepflastert. Sie war von Juni 2007 bis Mai 2009 ununterbrochen in den deutschen Single-Charts vertreten, das hat noch niemand geschafft. Sie ist die erste Künstlerin, die jemals vier Nummer-1-Hits in einem Jahr in den USA hatte, mit 23 Jahren die jüngste in der Geschichte der US-Charts, die zehn Nummer-1-Hits landen konnte. 2009 wurde sie von ihrem damaligen Freund Chris Brown in der Öffentlichkeit verprügelt. Sie hat also auch ein richtiges Leben.

05.11. Leipzig, Arena



Jean Michel Jarre

Jean Michel Jarre

Einer der Pioniere der elektronischen Musik, der Wegbereiter moderner Popmusik. Mit seinem 1976er Album "Oxygène" revolutionierte er den Sound of Pop; komplett künstlich geschaffene, gänzlich ungewohnte Klänge fanden Eingang in die Hörgewohnheiten. Auch das Nachfolgealbum "Equinoxe" von 1978 genießt bis heute absoluten Kultstaus. Er hat das Sampling populär gemacht. Zu seinem ersten Konzert am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli 1979 auf dem Place de la Concorde in Paris, kam eine Million Zuschauer. Rekord bis heute. 1981 trat er als erster West-Pop-Star in China auf. Jarre hat bis heute immer neue Alben veröffentlicht und Projekte verfolgt. Eine Ikone!

07.11. Dresden, Messehalle
09.11. Erfurt, Messehalle



Max Raabe

Max Raabe Er ist die Fleisch gewordene Erinnerung an jene Jahre, die im Nachhinein als die "Goldenen" verklärt wurden. Sein Palastorchester ist freilich längst nicht so alt (erst recht nicht der Chef!). Aber es ist auch älter, als viele glauben: Raabe pflegt seit 1986 seine spezielle Art der Performance mit dem ihm eigenen Charme. Größerem Publikum bekannt wurde er mit einem Auftritt in der Komödie "Der bewegte Mann" und dem hinreißenden Verzweiflungsblues "Kein Schwein ruft mich an!". Genau daran änderte sich danach so ziemlich alles. Inzwischen darf er gar einen Auftritt in der New Yorker Carnegie-Hall in die Vita schreiben.

08.11. Erfurt, Messehalle
09.11. Gera, KuK
12.11. Chemnitz, Stadthalle
11.12. Leipzig, Arena



Xavier Naidoo

Söhne Mannheims

Mannheims stolze Söhne sind in die Jahre gekommen. Nun ist es schon wieder 16 Oktober her, dass eine Truppe bestaufgestellter Musiker ihre Stadt zum neuen Jerusalem erkor, also wenigstens zum Nabel der Welt. Dazwischen liegen einige grandiose Hits und Alben; die deutsche Popmusik ist eine andere, seit die Söhne ein Teil von ihr sind. Im Frühjahr dieses Jahres erschien ihr neues Werk "Barrikaden von Eden" ausschließlich auf einem großen Download-Portal. Die erste Single "Freiheit" ist dem 50. Geburtstag der Organisation Amnesty International gewidmet. Die Musik der einzigen Pop-Big-Band des Landes - momentan sind sie 14 - wandelt sich vielgestaltig. Konstant bleibt ihr gesellschaftliches Engagement.

12.11. Leipzig, Arena




Sade

SadeIm Gegensatz zu einem weitverbreiteten Missverständnis ist Sade nicht der Name einer bezaubernden Sängerin, sondern der einer englischen Band, deren Sängerin Sade Adu heißt. Das ist nicht nur so ein PR-Satz: Die Kunststudentin sang Anfang der 1980er Background in einer Latin-Funk-Band namens The Pride. Bei einer Nummer des Programms, einem eher ruhigen Downer, durfte sie ans Frontmikrofon. Die Nummer hatte sie selber mitgeschrieben, sie hieß "Smooth Operator". Und endlich kamen die Späher der Plattenfirmen. Aber sie wollten nicht The Pride, sie wollten nur Sade Adu. Die weigerte sich zwei Jahre lang und willigte erst in den Plattenvertrag ein, als der mit einer Band geschlossen wurde, die aus ihren drei engsten Weggefährten bei Pride bestand (und noch heute besteht). Der Rest ist Pop-Geschichte. Die Alben "Diamond Life" (1984), und "Promise" (1985) verkauften sich dank Singles wie "Your Love Is King", "The Sweetest Taboo" und vor allem dem bereits erwähnten Gänsehaut-Barjazz-Knaller weltweit millionenfach. Sade sind aber nie auf den Superstartrip gegangen, haben sich nie ins Laufrad sperren lassen. Zwischen ihrem aktuellen Album "Soldiers Of Love" und dem letzten, das "Lovers Rock" hieß, liegen mehr als zehn Jahre. "Ich mache nur dann eine Platte, wenn ich denke, dass ich etwas zu sagen habe. Ich habe kein Interesse, Musik zu veröffentlichen, nur um etwas zu haben, das ich verkaufen kann. Sade ist keine Marke." Wohl aber eines der faszinierendsten Pop-Ereignisse der letzten drei Jahrzehnte!

15.11. Leipzig, Arena



Wort: FW / Bild: Robert Wunsch, Gabriel Coutu-Dumont, P.D.