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Eine Welt aus Hack... Eine Welt aus Hack...

Eine Welt aus Hack in Erfurt und Berlin

Den Traum verwirklicht


Es gibt wohl kaum einen Menschen, der keine Musik hört. Musik nicht nur nebenbei, sondern als emotionale Geheimsprache, als Kommunikationsmittel.

Christian Kühr aus Erfurt und Christin Stangner aus Berlin, besser bekannt als Kirmes und Grinni, sind zwei Menschen, für die Musik einfach zum Leben gehört. Christian und Christin lieben Musik, und statt Musik nur zu konsumieren, kontaktieren sie die Bands, die sie mögen, veranstalten Konzerte, besuchen Clubs, netzwerken mit anderen Veranstaltern.
Christian spielt selbst in zwei Bands, die gegensätzlicher nicht sein könnten, in der Zentralheizung of Death des Todes und bei den Cotton Ponies. Er ist kein Fan von Grenzen: "Ich hasse es, wenn Menschen in Schubladen steckenbleiben und einen Popsong nicht anhören, weil sie ja nur Rock hören. Was gefällt, gefällt." Seine musikalischen Vorlieben reichen von Kate Bush über Kanye West und Prince bis hin zu den Melvins.
Manchmal gibt es eine ganz bestimmte Band, die einen das ganze Leben begleitet, die man mit 15 oder 16 entdeckt und die nicht nur Erinnerungen weckt - diese Musik kann man sich immer wieder anhören, man entdeckt immer wieder Neues. Eine solche Band sind die Melvins für Christian. Jedem, der in den Neunzigern jung war, werden sie bekannt sein. Ohne sie hätte es Nirvana wohl nicht gegeben, sie legten den Grundstein für das, was dann als Grunge bekannt wurde. Man kann so eine Band bewundern und davon träumen, sie einmal selbst für ein Konzert in der eigenen, kleinen Provinzstadt zu buchen und es vor lauter Ehrfurcht bei einem Traum belassen - oder man tut es einfach, so wie Christian und Christin. Die Bands zu kontaktieren, das stelle man sich immer schwerer vor als es ist, sagt Christian. "Seitdem ich Musik mache, konnte ich mir nicht vorstellen, etwas zu machen, das nichts mit Musik zu tun hat. Ich habe die Entscheidung in der Schule getroffen, das Risiko der Selbständigkeit anzunehmen und mal zu schauen, was passiert." Er absolvierte weder Praktika noch ein Studium, spielte in Bands und hatte Spaß am Auftreten und dem Organisieren dieser Auftritte. Er wurde Teil der Veranstaltergruppe Love and Fist, die aus dem Künstler-Kollektiv-Label I Love Marbach Records entstand. "Ich hatte schnell Interesse, mich in dieser Randgruppe, in der wir uns befinden, zu vernetzen. Weil mir Erfurt dann ein bisschen zu öde war, bin ich auf Discorporate Records, ein Label aus Dresden, gestoßen, und war nach dem ersten Treffen auch schnell Teil der Bande."
Dort lernte er Grinni kennen, die fester Bestandteil von Discorporate Records ist. Sie ging einen ganz anderen Weg: An der Liverpooler University of Performing Arts lernte sie alles Wichtige rund um das Thema Veranstalten. Sie sammelte Erfahrungen bei Praktika, u.a. beim Indie-Label Southern Records. Während ihrer Semesterferien organisierten die Beiden gemeinsam mit Love and Fist, I Love Marbach Records und Discorporate Records das Teenitus-Festival im damaligen Besetzten Haus. "Der Grundstein für eine gute Zusammenarbeit wurde damit gelegt. Grinni ging dann zwar erst mal wieder nach Liverpool, aber als ihr Studium vorbei war und ich auf der Suche nach einer Tätigkeit, die mich erfüllt, haben wir letztes Jahr Eine Welt aus Hack gegründet."
Eine Welt aus Hack? Was ist denn das für ein dummer Name? Diese Reaktion kommt oft, und das finden Christian und Christin gut. Denn man soll nicht gleich darauf kommen, dass sich dahinter ein Künstlerkollektiv und eine Booking-Agentur verbergen. Jeden Tag sitzt Christian nun im Büro und recherchiert im Internet, beantwortet Mails. Doch zu seinem Alltag gehört nicht nur Büroarbeit. Auch Reisen in andere Städte, Treffen mit anderen Booking-Agenten und Besuche in den Clubs, wo die Bands spielen sollen, gehören dazu. Die Zusammenarbeit klappt gut, obwohl Christian in Erfurt und Grinni in Berlin lebt.
"Wir arbeiten als Kooperation zusammen, das heißt in punkto Booking ist hier jeder für seine eigenen Bands zuständig. Wir ergänzen uns natürlich mit Kontakten und geben Tipps für anstehende Touren. Wenn jemand eine Show in Erfurt oder in Berlin sucht, kümmert sich dann meistens derjenige, der in der jeweiligen Stadt sitzt, darum. Veranstaltungen führen wir meist zusammen durch, Grinni kommt nach Erfurt oder ich nach Berlin." Außergewöhnliche, abgefahrene Musik, dafür steht Eine Welt aus Hack, Jazz, Pop, Garage, Rock. "Uns fasziniert, was berührt und überzeugt." Eine Ausstellung ist gerade in Planung, die dokumentieren soll, was bisher alles "mit uns, von uns und für uns gemacht wurde". Dazu gehören Siebdrucke, ein Film, Objekte, Performances und natürlich Musik. "Es macht Spaß, daran zu arbeiten, weil es toll ist, zu sehen, was wir schon alles gemacht haben." Nach nur einem Jahr können sich Christian und Christin über eine gute Resonanz und viele interessante Angebote freuen. Über die Zukunft haben sie sich auch Gedanken gemacht: "Wir wollen den Kunstzweig noch ein bisschen ausweiten. Anfangs sollte Eine Welt aus Hack auch ein Label werden, das könnte so eine Art Zukunftsvision sein."
So schwer scheint dieser Job tatsächlich nicht zu sein, wenn man weiß, worauf es ankommt: "Mit der Zeit gehen, sich mit den Sachen, die um einen herum passieren, entwickeln, sich für Neues öffnen und nicht einschlafen." Wer sich jetzt fragt, was aus dem Traum geworden ist, die Melvins zu buchen - der hat sich erfüllt: "Früher war das ein Wunsch, den ich nicht habe in Erfüllung gehen sehen, doch dann flog ein Angebot rein, und da wir mit deren Booker schon öfter zusammengearbeitet haben, war es uns möglich, das schnell zu besiegeln. Und jetzt werden diese Helden aus meiner Jugend auf einer Veranstaltung spielen, die wir organisiert haben!" (Und zwar am 14. Oktober im Erfurter Stadtgarten.)


Internet:

www.eineweltaushack.de


Wort: Ulrike Melzer / Bild: P.D.