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Dr. Winters Kolumne

Ab zum Arzt!


Liebe Freunde, welch eine reiche Landschaft an Arztpraxen und Spezialkliniken unsere Heimatstadt vorzuweisen hat, fällt einem erst dann auf, wenn man plötzlich selbst auf medizinische Hilfe angewiesen ist.

Neulich konnte ich meinen Kopf nicht mehr in die linke Richtung bewegen. Über Nacht! Unfassbar! Während ich am vorangegangenen Abend noch munter umhergesprungen bin, hatte sich am Morgen eine Nackensteifheit bisher noch nicht dagewesenen Ausmaßes eingestellt, ein Leiden, dass mir eine meiner beliebtesten Freizeitbeschäftigungen, nämlich die, nach links zu sehen, unmöglich gemacht hat. Jede Kopfbewegung nach links stellte eine unüberwindbare Hürde dar, und obwohl ich nun außerstande gewesen bin, sämtliche links von mir befindlichen Arztpraxen wahrzunehmen, fand ich in der kürzesten, um nicht zu sagen, allerkürzesten Zeit, in der Nachbarschaft, wenn man so will, ein sogenanntes Ärztehaus. Ich gehe ja, sobald mir etwas fehlt, kategorisch erst einmal zum Nervenarzt, und meistens kann mir dort auch geholfen werden, aber dieses Mal habe ich mich instinktiv für einen Orthopäden entschieden. Der Arzt, ein in kurzen Hosen praktizierender, haarloser Akademiker, dessen Beine so dünn waren, dass ich kurzzeitig dachte, er würde nur eines besitzen, nahm sich meiner liebevoll an und schickte mich umgehend in die Röntgenabteilung. Dort hat man mich in einen Apparat gestellt und mit gefährlichen Strahlen bombardiert, was mich extrem beunruhigt hat, weil ich davon ausgehe, dass man beim Betrachten meiner einzelnen Körperteile obskure Anomalien entdecken wird, und genauso ist es dann auch gekommen. Denn was sich auf dem Röntgenbild in nichtwegzudiskutierender Deutlichkeit abgezeichnet hat, ist ein Skelett gewesen! Jetzt ist alles aus, ist mir durch meinen Kopf geschossen, denn dass sich in meinem Inneren unter anderem auch ein Skelett befindet, ist mir erst in diesem Moment bewusst geworden. Bis dahin habe ich immer gedacht, ich würde aus einer Hose und einem T-Shirt bestehen. Dass dies nicht der Wahrheit entspricht, ist für mich ein mittelmäßiger Schock gewesen. Tatsächlich habe ich mein Skelett für eine abstruse Krankheit gehalten, für eine extrem selten vorkommende, wenn nicht sogar auf der ganzen Welt einmalige Absonderlichkeit. Aber selbst nach mehrmaligem Durchleuchten änderte sich nichts in meinem knochigen Innenleben. Der abschließenden Diagnose meines Orthopäden, wonach alles in Ordnung wäre und ich nur an einer leichten Verspannung leiden würde, habe ich allerdings zutiefst misstraut. Natürlich will er mich nur schonen, habe ich gedacht, mir die Wahrheit ersparen, mich noch eine Weile in glücklicher Unwissenheit verharren lassen. Dennoch ist es von Tag zu Tag besser geworden, und mittlerweile bin ich mir schon wieder fast sicher, nicht aus einem Skelett, sondern, wie es sich gehört, aus einer Hose und einem T-Shirt zu bestehen. Mit einer geschmeidigen Kopfdrehung nach links verabschiede ich mich bis zum nächsten Mal,

Euer Dr. Paracelsus Sauerbruch Winter