Vorsicht, Thiel!
Die Frauenquote
Das wichtigste Thema, neben dem Griechen-Bla-Bla, dem Krieg-und-Frieden-Zeug oder dem Demografie-Plunder ist: Die Frauenquote! Jedenfalls für ein paar Frauen an der Spitze unseres Staates, z.B. Frau Schröder, Frau von der Leyen und Frau Leutheusser-Schnarrenberger.
Böse Menschen halten die Drei für den Beweis, dass Frauenquoten großer Mist sind. Aber so einfach möchte ich es mir nicht machen. Zumal ich für Frauen bin. Wie sehr hätte ich mir damals in der Disco eine Frauenquote gewünscht! Mindestens 70 Prozent Frauen, davon mindestens 50 Prozent in Abenteuerlaune und höchstens zehn Prozent hätten hässlich sein dürfen. Es waren aber 70 Prozent Kerle …
Warum nicht auch im Fernsehen? Eine Quote die besagt, wie hoch der Bildungsanteil sein muss. Da müssten sogar die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Programm komplett umbauen. Im Radio müsste man fast alle sächsischen Sender abschalten - aber diese Quoten sind natürlich Quatsch. Es geht auch ohne. Die DAX-Unternehmen wollen als freiwillige Selbstverpflichtung in den nächsten Jahren einen gewissen Anteil an Frauen in ihren Führungsetagen integrieren. Na klar! Die Frage ist nur, als was? Das Modell Clinton? "Jedem eine Praktikantin unter den Tisch!". Oder das Modell Loddar? "Egal wie alt. Hauptsache sie geben mir das Gefühl, nicht dumm zu sein." Das Modell VW mit Ficki-Ficki für Betriebsräte und Führungskader? Oder war das eine große Versicherung? Zyniker könnten behaupten, bei der Versicherungssause in Budapest stimmte wenigstens die Quote: Fast 50 Prozent Frauen in verschiedenen Stellungen in der Führungsebene. Steht bei den DAX-Unternehmen bald in den Ausschreibungen "Frauen und Behinderte werden auch bei Nichteignung bevorzugt, weibliche Behinderte werden sofort eingestellt"?
Bei der Hypo Real Estate scheint man in Quotenfragen schon ganz schön weit zu sein. Die entscheidenden Positionen hat man durchweg mit Quoten-Vollpfosten besetzt, nach dem Motto: "Sie hassen Zahlen? Herzlich willkommen bei der HRE! Sie können Plus und Minus nicht unterscheiden? Herzlich willkommen in der Führungsebene der HRE!" Ich darf daran erinnern, dass schon einmal ein Vorstandsvorsitzender dieser Bank, Georg Funke im Jahr 2008, beim Rechnen Schwächen zeigte. Andererseits können die mit Millionen (-abfindungen) ganz gut umgehen. Nur bei den doofen Milliarden hapert's. Fast 56 Milliarden Euro Staatsgeld falsch verbucht! Da sollte man es mit der Einstufung als "Sehr ärgerlich" aber auch bewenden lassen. Was??? In einem Land, in dem man für 1-Euro-Pfand-Bons entlassen wird, kommt es bei 56 Milliarden Euro nicht wenigstens zu Erschießungen? Dann lieber Frauenquoten!
Aber leider gibt es immer noch Fälle, in denen Männer den Führungsjob von Frauen unterbinden wollen. Nehmen wir den MDR. Da hat der Ex-Intendant Udo Reiter selbständig entschieden, Ende Oktober aus dem Amt zu scheiden. Erste Frage, warum hat man ihn dann erst 2008 auf seinen eigenen Wunsch wiedergewählt? Und zweitens, wieso entscheidet der das selbst? Ach ja, weil er Gott gleich war. Jedenfalls gab es für seine Nachfolge drei Bewerber - darunter eine Frau. Was passierte? Es wurde dem Rundfunkrat, der den Intendanten wählt, vom Verwaltungsrat ein gewisser Bernd Hilder vorgeschlagen, der nicht überzeugen konnte, nicht wirklich vom Fach war und statt Qualifikation einen Fürsprecher hatte - die CDU. Oder kam da noch seine Herkunft aus dem Westen dazu? Jedenfalls fiel er bei der Wahl im Rundfunkrat grandios durch und nun ist die Frau, Karola Wille, die neue Intendantin. Übrigens mit großer Mehrheit gewählt. Aber warum wurde sie nicht gleich vorgeschlagen? Weil sie eine Frau ist und dann noch aus dem Osten?
Da fällt mir etwas ein: Wenn wir in diesem Land eine Frauenquote durchbringen, wie wäre es auch mit einer Ossi-Quote? Bedeutende Führungspositionen im Osten sollten zu wenigstens 50 Prozent (keine Angst, nur zum Test) bei gleicher Eignung mit Ostdeutschen besetzt werden. Vielleicht hätte dann der Bayer Reiter den Niedersachsen Hilder nicht für den MDR-Posten vorgeschlagen? Und im "Regional"-Sender MDR säßen im Riverboat nicht drei mittelmäßig begabte Westdeutsche, die den Quotenossi maximal als Gesprächsgast begrüßen, nur um dabei zu zeigen, dass sie nichts wissen von den Leuten in der Region, für die der Sender stehen sollte. Ich weiß, wir sollten aufhören mit Ost und West. Dumm nur, dass man das gerade beim Mindestlohn (ach nee: Lohnuntergrenze), bei der Bemessung von Niedriglohn, bei der Arbeitszeit, den Tarifabschlüssen und wichtigen Lebensbedingungen nicht auch tut. Und so lange man da Unterschiede festlegt, werde ich Unterschiede empfinden dürfen.
Leicht angesäuert,
Ciao, Euer Mario

