Pam Parche
"Wir werden immer mehr"
Alle berichten über Occupy und Echte Demokratie Jetzt!, eine junge Bewegung, die längst überfällig war, ist doch das Unwohlsein beim Regiertwerden flächendeckend.
Wir lassen Pam Parche zu Wort kommen, eine junge Mutter, die sich engagiert, eine Meinung hat und Gehör einfordert.
BLITZ!: Einer der Slogans der Menschen um Dich herum, die bei der derzeitigen Entwicklung - und eben nicht nur im Bankenbereich - ein Unwohlsein überkommt, lautet: Wir sind 99 Prozent! Wer sind denn die anderen ein Prozent?
Pam Parche: Ich glaube, bei dem einen Prozent handelt es sich um Top-Manager, Medienmogule und Wirtschaftsbosse, deren Einfluss auf die Politik und unsere Gesellschaft so groß ist, dass sie fähig sind, unser ganzes Denken zu bestimmen.
BLITZ!: Die "Besetzungen" öffentlicher Räume sind ja vor allem als Aufschrei zu verstehen, als Versuch wahrgenommen zu werden, nicht politisch begrenzt, sondern in Diskussion, in Bewegung. Wie bist Du ganz persönlich zur Occupy-Bewegung, zu Echte Demokratie Jetzt! gekommen? Was hat Dich empört, Dich zum Handeln animiert?
P.P.: Ganz klar hat mich das Dasein meiner Tochter zum Handeln animiert! Nicht umsost sagt man, dass die Kinder unsere Zukunft sind! Wir Eltern stehen in der großen Verantwortung, den Kindern eine friedliche und glückliche Kindheit zu verschaffen. Wir stehen in der Verantwortung, Werte zu vermitteln. Aber wie soll das möglich sein, wenn die Erwachsenen es nicht schaffen, Hunger und Leid zu beseitigen? Wenn wir es nicht schaffen, Wälder und vom Aussterben bedrohte Tierarten zu retten? Wenn wir Erwachsenen es nicht schaffen, das Profitdenken und die Geldgier zu überwinden? Mich hat animiert, ihr mit bestem Wissen sagen zu können, dass ich selbst einen Weg versuche zu finden, gegen die Schlechtigkeiten dieser Welt anzukämpfen! So fand ich die Bewegung Echte Demokratie Jetzt!, die weltweit versucht, sich Gehör zu verschaffen.
BLITZ!: "Friedliche Revolution weltweit!" ist ja ein Sammelbecken unterschiedlichster Interessen. Wo ist der kleinste gemeinsame Nenner aller Beteiligten zu finden? Eine amerikanische Großfamilie in Detroit hat doch andere Beweggründe und Ziele als ein Gorlebener Atomkraftgegner.
P.P.: Ich glaube gar nicht, dass es so starke Unterschiede zwischen beiden gibt. Der größte gemeinsame Nenner ist da wohl der Ruf nach Gehör und eine recht ähnliche Art und Weise, diesen zu unterdrücken beziehungsweise abzutun. Castor-Aktivisten werden unmissverständlich vom Platz verwiesen, mit derber Polizeigewalt. Und der Großfamilie werden Lebensmittelmarken aufgedrückt. In beiden Fällen ist da die Ohnmacht der kleinen Leute gegen-über jeweiligen Regierungen, die weder Ursache noch Lösung bearbeiten.
BLITZ!: Echte Demokratie Jetzt! ist ja nur eine Facette der Meinungsäußerung. Erschreckend sind daneben die Forenbeiträge der Undifferenzierten, der Satten und der, wie Dieter Nuhr sie so schön nannte, Deppen. Was sagst Du denen, die Euch belächeln, die Euch diskriminieren und mit Spott bewerfen? Was fühlst Du dabei?
P.P.: Ich selbst wurde bis jetzt weder mit Spott beworfen noch belächelt noch diskriminiert. Wenn man sich mit den Menschen auf der Straße unterhält, findet man in jedem Einzelnen den Wunsch nach Veränderung. Und wird nicht genau dieses Deppentum gezielt von den Meinungsmachern und Medien gestreut beziehungsweise inszeniert? Im sogenannten Unterschichten-TV werden die Menschen dafür bezahlt, sich dumm und deppenhaft zu geben! Ich habe durchaus nur positive Resonanz auf meinen Wunsch nach Veränderung gespürt. Ich sehe in meinem Gegenüber nicht den Deppen, sondern den Menschen, der an irgendeiner Stelle ebenso aktiv mit dazu beitragen kann, die Welt ein klein wenig besser zu machen. Als letztes möchte ich hier noch ganz gezielt auf die Montagsdemos verweisen, die jeden Montag 19 Uhr auf dem Augustusplatz stattfinden. Hier steht der Grundgedanke einer echten Demokratie in fetten Lettern groß geschrieben. Hier entstehen neue Bündnisse mit dem Ziel, Dinge zu verändern in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Wir werden immer mehr. Wir haben tolle Gedanken, und wir sind sehr, sehr gewillt, diese nicht nur Schall und Rauch sein zu lassen! Nur gemeinsam können und werden wir gegen jetzige Ungerechtigkeiten und Obrigkeiten ankämpfen.
BLITZ!: Danke, Pam. Eine bessere Welt ist möglich. Da bin ich mir sicher.
P.P.: Ich danke Dir, Volly, und allen Lesern des Magazins!

