Marokko
In Agadir und bei Amina
Entlang der palmengesäumten Promenade breitet sich ein
kilometerlanger Sandstrand aus: Agadir, Traumziel von Touristen aus
aller Welt.
In mittelalterlichen Souks wetteifern die Gerüche aus tausend und
einer Nacht mit dem Aroma des zuckersüßen Thé à la Menthe. Derweil
baut die Feministin Amina inmitten der Wüste ihr Hotel für
Zivilisationsflüchtlinge auf.
Agadir liegt weit im Süden von Marokko. Hochmoderne Hotelanlagen und
die nüchterne Promenade stehen im Kontrast zu den tiefverschleierten
Frauen auf dem quirligen Souk. Die Tagestemperaturen steigen eine
knappe Flugstunde von Casablanca entfernt auch im Dezember deutlich
über 20 Grad, das Meerwasser lädt noch lange zum Baden ein. 330
Sonnentage im Jahr sprechen für sich! Neben Surfen, Paragliding oder
Jetski sind ab Februar 2010 Safaritrips durch den Nationalpark Souss
Massa nahe Agadir möglich. Begegnungen mit Löwen oder Elefanten sind
zwar nicht zu erwarten, doch Antilopen oder Strauße in der
Dornensavanne zu erleben, hat für den Mittel-europäer seinen eigenen
Reiz.
Im Süden Marokkos verläuft das Leben traditioneller als im
aufgeklärten Norden. Islamische Bräuche werden selbstverständlich
gepflegt. Hohe Mauern grenzen die Grundstücke ein, bieten Schatten
und verwehren dem Fremden den Blick. Andererseits amüsieren sich
Jugendliche oder Touristen in den Strandcafés am Atlantik, in Pubs
oder Diskotheken wie Papagayo und Beach Club. Angesagt sind
algerischer Pop von Khaled und marokkanischer HipHop von H-Kayn,
wild gemischt mit westlichen Rhythmen. Junge Männer haben mehr
Freiheiten als ihre weiblichen Altersgenossinnen. Macho-Attitüden
und schmachtende Blicke verzaubern so manches deutsche Urlauberherz
- weiblich wie männlich. Derartige Flirts haben in jedem Fall ihren
Preis, so wie Agadir an sich ein teures Pflaster darstellt.
Im Umfeld der Touristenhochburg erlauben historische Städte wie
Taroudant oder Tiznit Einblicke in das Leben der Berber, die die
Mehrheit der Bevölkerung stellen. Hier wie da umschließen gewaltige
Mauern die Medina mit den traditionellen Märkten und Werkstätten der
Gerber oder Silberschmiede. Vor Feiertagen verwandeln sich die
Altstädte in ein einziges großes Marktgetümmel. Mit rollenden Augen
und beschwörenden Worten versichert ein jeder Händler, dass seine
Silberkanne in ganz Marokko zu keinem besseren Preis zu erwerben
sei.
In der Savanne unweit des Stausees Yousef ben-Tachfine errichtet
Amina ihr Hotel "Well Center" (www.riadassounfou.com).
Mit zwölf Jahren zwangsverheiratet, gebar sie ihrem 47 Jahre älteren
Mann zwei Kinder. Als sie ließ sich scheiden ließ, um nach Europa
zum Studium zu gehen, war das für marokkanische Verhältnisse mehr
als ein Skandal. Die quirlige Fremdenführerin mit Kopftuch eröffnete
im Sommer 2009 ihren kleinen Palast mit 21 Zimmern in einer
Preislage zwischen 20 und 70 Euro, Frühstück inbegriffen. Ein
kleiner Swimmingpool gehört zu dieser Oase, die allerdings nur über
eine kilometerlange Schotterpiste zu erreichen ist. Amina wird heute
geachtet, wohl auch, weil das "Well Center" 50 Menschen im Nirgendwo
Beschäftigung bietet.
www.visitmorocco.com
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