
Like A Stuntman

Gerhard Schöne

The Sonic Beat Explosion

Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys

Max Prosa

VulgarGrad

An Evening of Burlesque

We Butter The Bread With Butter

Hubert von Goisern

Schandmaul

Tim Bendzko
Eulen fungieren
Bereits früh im neuen Jahr läuft das erste Festival. Das
Jenaer Campusradio lädt zum dritten Eulenfestival. Fünf Tage ist
Zeug angesagt, beginnend am 15. Januar im Foyer der FSU, dem
Hauptquartier des Campusradios mit Ausstrahlungsort. Der Rosenkeller
wird geschnappt, wie die Straßenbahnen mit mobiler Lesebesetzung,
zudem gibt's Impro-Theater an der FH. Krönender Abschluss allerdings
sind die Livegigs im F-Haus. Da ist dann PeterLicht dabei, als
Headliner wohlgemerkt, sowie Fuck Art Let's Dance und die Typen von
Like A Stuntman (Foto), die allesamt als Musiker fungieren und
zusammen konzertieren.
19. Januar
Jena, F-Haus
Brief- und Geheimnisträger
In der Stadt der Urburschenschaft, auf die fast jeder
Heidelberger stolz blickt (das ist historisch bedingt und bleibt
auch so), in Jena, fallen viele Briefkästen ins Auge, da viel
geschrieben und verschickt werden muss. Die "Lieder der Briefkästen"
kennt kaum jemand, da das taube Gehör nicht alles hört. Gerhard
Schöne (Foto) hört, und wir hören Gerhard Schöne schon seit
DDR-Zeiten. Und wohl immer wieder gern. Ein Briefträger ist ein
Geheimnisträger, sagt Gerhard Schöne, der postmodern im Terzett
swingt und sich von Jena bis Heidelberg einen guten Namen auf den
Briefumschlag geschrieben hat, der alte Bursche.
19. Januar
Erfurt, Kaisersaal
20. Januar
Jena, Volkshaus
Aus Altenburg und Jena
The Sonic Beat Explosion (Foto) sind Garagen-Rock-Freaks,
deren Sänger Martin sagt: "Ja, für ein paar Jahre haben wir in einer
Garage geprobt. Jetzt proben wir in einem Bauernhof - Bauernhofrock
klingt aber nicht cool." Die Vier allerdings sind cool und kommen
eigenen Angaben zufolge aus den Wäldern Ostdeutschlands, "weil
Altenburg wirklich hinterwäldlerisch ist, was Musik anbelangt". Also
fahren sie nach Erfurt, wo sie auch ihr zweites Album "Sister
Psychosis" aufgenommen haben (im Atomino-Studio), und sorgen mit
ihren ebenfalls musikalischen Kumpels von Daddy U and The Hitkids
aus Jena für einen psychedelisch rockenden Abend.
25. Januar
Erfurt, Engelsburg
Flottes für Gaukler
Der Schauspieler Ulrich Tukur bringt mit seinen Rhythmus
Boys Musik auf die Bühne, die schon Jahrzehnte auf dem Buckel hat.
Folglich versetzen sich auch die Kollegen der Presse in die 1920er
oder 30er Jahre zurück und schreiben: "Das war hot, das war flott,
das war Tanzmusik." (Mainzer Rhein-Zeitung), "Großes Entertainment
alter Varietéschule, auf spritzige und vollendet humorvolle Weise
dargeboten." (Frankfurter Allgemeine Zeitung) oder aber "Gehobener
Blödsinn für das Gauklerpublikum von heute." (Neue Ruhr / Neue Rhein
Zeitung). Das Hamburger Abendblatt hörte "flotte Schwungmusik" und
wir sind neugierig geworden ...
2. Februar
Erfurt, Kaisersaal
Musik und Prosa
Deutsche Männer, die Musik machen, mit vielen Texten, die
wir verstehen, da sie uns betreffen, gibt es nicht wenige. Axel
Bosse kann das wohl und Philipp Poisel und noch so viele andere. So
viele andere wie Max Prosa (Foto). Max Prosa macht seine Sache so
gut, dass der noch schier unbekannte Künstler gleich zu einem
Zusatzkonzert in der Thüringer Landeshauptstadt kommt. Das hat was.
Und da die Fantasie siegt, die wir nicht mit auf das Konzert bringen
müssen, gewinnt auch das Konzept des Liedschreibers mit
Textattitüden Berge. Max Prosa kann Musik und Prosa, so wie ein
Germanistikstudent, der nebenbei noch Musik studiert und beides mit
Eins abschließt.
9. und 10. Februar
Erfurt, Museumskeller
Räuberprinzessin Murka
Wer möchte schon russische Kriminelle im Haus haben? Deren
alte Lieder (Blat) aber erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
Stichworte sind Wladimir Wyssotzki, Schwarzmeerküste und russisches
Chanson. Und neuerdings auch VulgarGrad (Foto). Die Truppe aus dem
australischen Melbourne hat sich der Gaunermusik angenommen, die
einst von und für Kriminelle in Gefängnissen, Lagern und
zwielichtigen Gaststuben geschrieben und gespielt wurde. VulgarGrad
haben damit ihren kleinen Kontinent aufgemischt, diesen Winter nun
versuchen sie es in Europa. Nehmt Euch in acht vor der
Räuberprinzessin Murka und denen, die mitsingen können ...
10. Februar
Jena, Rosenkeller
Aufregende Zeitreise
"An Evening of Burlesque" ist eine Zeitreise zurück in die
US-amerikanische Unterhaltung des ersten Drittels vom 20.
Jahrhundert. Dieses Zirkusprogramm lebt vom Striptease, auch wenn
die Damen sich ihrer Kleidung nicht ganz entledigen; selbst das
Ausziehen eines Handschuhes ist bei den Burlesque-Tänzerinnen
aufregend. Der Abend ist inspiriert vom Glanze Las Vegas' und dabei
so glamourös wie das Pariser Moulin Rouge. Mit atemberaubenden
Outfits und fantastischen Choreografien verzaubern Euch die Damen
vom Londoner West End, wie es Burlesque-Königin Dita von Teese
vermag.
14. Februar
Erfurt, Kaisersaal
Aber bitte mit Butter
Es gibt viele Dinge, die es nicht gibt. Jedoch gibt's auch
viele Dinge, die es gibt. Eigenartigerweise existiert eine Band mit
Namen We Butter The Bread With Butter (Foto), die wahrscheinlich
wenn sie nicht live spielt, was diese mit ihrem Emo-Metal-Rock in
letzter Zeit häufig tut, zum manufactumistischen "Brot &
Butter"-Laden ins Charlottenburger Berlin tummelt, um zu
frühstücken. Das kann nahe liegen, da die Band aus Berlin kommt,
aber - plumps! - nach Jena geht, um zu gefallen. Das dürfen We
Butter The Bread With Butter gern, gemeinsam mit Caliban, All Shall
Perish, Eyes Set To Kill und Attila. Dinge gibt's.
11. Februar
Jena, F-Haus
Träumer aus Goisern
Unlängst schrieb Hubert von Goisern (Foto) auf seiner
Internetseite über 2011: "es war ein erfülltes und erfolgreiches
jahr. nachdem die cd-produktion abgeschlossen und wir in den
darauffolgenden konzerten, das neue programm dem publikum
vorgestellt hatten, war ich eigentlich zuversichtlich, dass
entwederundoder seinen weg gehen würde. dass es allerdings an die
spitze der charts klettern würde, wäre mir in den kühnsten träumen
nicht gekommen - und ich bin beim träumen nicht zurückhaltend." Nun
kommt er mit genau diesem Programm zu uns, rechnet mit 80 Konzerten
2012 und tippte in die Tastatur: "ich freu mich auf euch".
12. Februar
Erfurt, Stadtgarten
Traumtänzers Traum
Die Fans von Schandmaul (Foto) werden sich freuen, denn es
wird nach der Traumtänzer-Tour Teil 1 auch eine Traumtänzer-Tour
Teil 2 geben. Und das sofort ab Januar. Die sechs Münchner reisen
mit ihren deutschen Liedern und den schweren Gitarren sowie den
leichten Texten wieder quer durch ihre Heimat, die seit gut 20
Jahren auch im Osten ist. Das vergangene war das wohl erfolgreichste
Jahr der Musiker, die gern rocken. Fans, seid gewarnt! Verpasst
dieses Konzert nicht, denn weder Burn, die als Vorband Haare lassen,
noch Schandmaul werden so schnell wieder zu sehen sein. Nur der
Traum wird weiter tanzen und verpuffen.
18. Februar
Erfurt, Stadtgarten
Junger Richtigmacher
Da nun endlich (und wie lange haben wir darauf gewartet) die
alten Musikknacker fallen (wir wollen niemanden nennen), ist es umso
schöner und faszinierender, dass endlich richtig junge Künstler ohne
Angst die Bühnen betreten, obwohl sie wenig können dürfen, aber so
selbstbewusst erscheinen, dass ihr Publikum noch weniger weiß als
sie selbst, da völlig desillusioniert die Kraft aus dem Jungbrunnen
alles mit sich reißt und vergilbt ohne Zigarette. Junge Künstler
sind Saubermänner, junge Künstler sind Richtigmacher. Niemand will
junge Künstler nicht mehr hören. Tim Bendzko gehört wohl/nicht dazu.
25. Februar
Erfurt, HsD
Wort: Niklas Hoffa, Bastian Cramer / Bild: Kimmo Brandt, Harald Hoffmann, Sandra Ludewig, Jürgen Skarwan, P.D.