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Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Vier Sterne vom Smart Guide


Endlich besitze ich eine Zahnbürste mit Bluetooth! Was habe ich mich die ganzen Jahre mit der manuellen Scheißbürste abgequält, wahllos täglich mehrere Stunden Zähne geputzt und ohne System oder Anleitung einfach die Bürste in den Schlund geschoben und drauflos gerubbelt. Was da hätte passieren können! Vom unkontrollierten Abrieb der Zahnoberfläche bis zur Sehnenscheidenentzündung im Putzarm. Nur weil die Dental-Typen es jahrhundertelang nicht geschafft hatten, was heute im Discounter völlig normal ist, nämlich eine Zahnbürste mit Bluetooth anzubieten. Das Prinzip ist so einfach wie simpel, mein Putzverhalten wird mittels Bluetooth auf ein separates Display, den Smart Guide, übertragen, welcher mir dann sagt, dass ich gerade Zähne putze. Mehr noch, er sagt mir sogar, wenn ich zu sehr drücke, wann ich zum nächsten Kieferquadranten wechseln muss und die vom Zahnarzt empfohlene Putzzeit erreicht wurde. Vor allem habe ich endlich erfahren, dass ich Kieferquadranten habe! Ich kann dabei sogar zwischen verschiedenen Modi wechseln, vom nur Reinigen bis zur Tiefenreinigung, dem Zahnfleischschutz bis zur Zungenreinigung. Okay, die fehlende Darmspülung würde ich jetzt mal nicht als Mangel bezeichnen, eher als Tipp, was man noch machen könnte.
Ganz wichtig, das Prinzip der Belohnung wird genutzt, denn wenn ich alles richtig mache, gibt es bis zu vier Sterne! Vom Smart Guide! Wahnsinn - vier Sterne! Sicherlich bekommt man bei nur einem geschafften Stern tonnenweise Zahnarzttermine und Sanierungsvorschläge, weil es für die Schlund-Geologen bald was zum Bohren gibt. Aber das muss nicht sein, denn vorbei die Zeit, als ich den falschen Kieferquadranten zu lange und den richtigen zu kurz, vielleicht sogar mit zu viel Druck, geputzt habe. Oder in der falschen Reihenfolge. Dank der Datenübermittlung kann mir meine Krankenkasse auch bald putzverhaltensabhängig die Zahnersatzzuzahlungen berechnen. Wenn im zweiten Quadranten, übers Jahr berechnet, mehrere Sekunden Putzzeit fehlen oder ich zu sehr gedrückt habe, dann bin ich quasi an dem kaputten Zahn selbst schuld und die Erstattung wird etwas reduziert. Im Umkehrfall könnte ich vor Gericht den Zahnputz-Smart-Guide ziehen und dank der Daten eine Keramikkrone einklagen. Natürlich muss der Smart Guide von einem entsprechenden Institut geeicht, regelmäßig geprüft und die Batteriespannung darf nicht zu gering sein, weil das die Messdaten verfälschen könnte. Aber super ist das jetzt schon!
Es gibt zwar auch ein paar Schattenseiten, denn die Jungs in den Geheimdiensten müssen nun noch mehr Informationen sammeln, die sie dann für den Kampf gegen den Terror verschlampen und weglassen können. Dafür fällt aber das altertümliche Verwanzen von Wohnungen fast komplett weg. Also ich gehe mal von einem Mikrofon in der Zahnbürste aus. Wie dämlich wäre das denn, wenn man das wegließe? Oder eine Kamera. Und dank Bluetooth schaltet der Beschattete seine Überwachung selbst ein. Genial! Da kommt mir noch eine Idee. Wenn die Zahnbürste irgendwann dieselben Funktionen wie das Smartphone hat, quasi ein Gerät für alles, wäre es die Chance, auch bildungsfernen Schichten die Zahnpflege nahezubringen, denn dem Smartphone glauben die ja alles. Allerdings müsste man organisieren, dass die da nicht nur ständig blöde draufglotzen, was beim Smartphone reicht, aber beim Putzen keine Ergebnisse bringt. In den Mund stecken muss man die Bürste nämlich trotzdem!
Sauber gemacht, ciao, Euer Mario


Thiels Treffen:

11.05. Putjatinhaus, Gast: Steffen Lukas (Radio PSR)


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort und Bild: Mario Thiel