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Kudernatschs Kolumne

Kudernatschs Kolumne

Kudernatschs Kolumne

Im Namen des Natsches


Tapfer muss ich erdulden, wie mein Name "Kudernatsch", der aus dem Tschechischen stammt, verschandelt wird. Da schreibt mich die Hausverwaltung an, "Lieber Herr Kuderwatsch", und hat dabei wohl an den alten Tomatenwitz gedacht, in dem eine Tomate zur anderen sagt: "Guck mal da, ein LK-Watsch". Die Hausverwaltung wollte unser Wasser auf Legionellen untersuchen. Das hatte sie richtig geschrieben. Sonst hätten wir nach Legionären im Wasserhahn forschen können.
Ich bestelle in einer feinen Sushi-Bar einen feinen Platz - und was steht auf dem Bestellschildchen? "Reserviert für Kudamat". Klingt wie Glutamat und ist bestimmt auch nicht wirklich gesünder. Bei einer anderen Reservierung in einem anderen Lokal war der Platz für "Kudirnatsch" gedacht. Was für die einen Türkisch klingt, wird bei mir zu "Kodiernatsch" und wichtigen Codes wie bei der Enigma. Wieder daheim mailt mich ein Musikversand an und beginnt so: "Sehr geehrter Herr Kaulnatsch, Sie haben sich lange nicht mehr bei uns gemeldet." Ja, das könnte daran liegen, dass ich nicht "Herr Kaulnatsch" bin.
"Herr Kurnatsch" spricht mich der Praktikant an, der mich wohl schon in der Reha sieht. Eine neue Kollegin vermutet mich ebenfalls dort - möglicherweise sogar als ihren KÜPA, als Kurüberbrückungspartner, sprich Kurschatten. Immerhin hat sie aus mir den "Kuntertatsch" gemacht, obwohl ich bislang nichts an ihr angetatscht habe. Ich höre es richtig, wie sie "Kuntertatsch" in mein Ohr haucht. Sowas sorgt rasch für Ärger, wenn es den Falschen zu Ohren kommt. Der Ärger setzt sich fort - bis in mein eigenes Smartphone hinein. Kaum fange ich an, dort meinen Namen zu tippen, schlägt die Autovervollständigung zu. Bis "Kude…" komme ich, dann bietet sie wahlweise "Lude" oder "Jude" an. "Lude" weise ich strikt von mir. Beim "Juden" fehlt noch eine tiefschürfende Untersuchung. Vielleicht ist ja etwas dran.
Denn ein uralter Großonkel hat verkündet, dass tschechische Freunde den Namen "Kudernatsch" einst kurzerhand erfunden haben, um eine brave jüdische Familie vor den Nazis zu schützen. So sei damals im Riesengebirge aus "Guter Ignatz" "Kudernatsch" geworden.
Ich ertrage Verballhornungen aller Art. Rede ich zu viel, werde ich "Quasselnatsch" genannt, zerstechen mich im Sommer die Mücken, dass ich aussehe wie ein Streuselkuchen, bin ich der "Quaddelnatsch", landet Essen nicht im Mund, sondern auf der Hose - muss ich mir "Kleckernatsch" anhören. Noch lange sind nicht alle Variationen ausgereizt. Ich will auch gar nicht wissen, wie viele Möglichkeiten es da gibt. Ich will mich überraschen lassen.
Bis dahin erfreue ich mich daran, meine Post völlig neu zu unterschreiben. Ich umgehe alle Probleme, indem ich meinen Namen raffiniert trenne. Ein Freund, der großer "Star Wars"-Fan ist, sämtliche Terry-Pratchett-Bücher gelesen hat und spacige Elektro-Musik hört, hat mir dazu geraten. Ich finde, es stellt mich in eine Reihe mit Bernd, dem Brot, Jabba The Hutt und Chingachgook, der großen Schlange. Also unterzeichne ich neuerdings wacker mit "Q der Natsch".
"Q" kennt die eine oder der andere vielleicht noch von James Bond. Aber was der Natsch ist, bleibt eine wirklich harte Rätselnuss. In Tirol steht "Natsch" für "Schwein". Ich versende meine Post also im Namen des Schweins. Da könnte das "Q" glatt für "Quieken" stehen.


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: Ricky Fox