Leserreisen
Klagemauer und Felsendom, im Hintergrund der Ölberg

Klagemauer und Felsendom, im Hintergrund der Ölberg

Tel Aviv, Jerusalem und das Tote Meer

Entdeckertour im Heiligen Land


Kaum eine Region in der Welt bestimmt so unsere Nachrichten wie der Nahe Osten. Das ist wenig verwunderlich, sehen doch drei der Weltreligionen hier ihre Wiege: Das Judentum, das Christentum und ebenso der Islam. Israel gleicht heute einem archäologischen Freiluftmuseum, steht für Lebensfreude und sorglose Badeferien ebenso wie für den blutigen Nahostkonflikt.

Jerusalem


Die Stadt Jerusalem liegt ganze 70 Kilometer östlich von Tel Aviv in den judäischen Bergen. Als Kaiser Wilhelm II. 1898 von der Küste hinauf zur Einweihung der protestantischen Erlöserkirche fuhr, benötigte er für die Strecke noch zwei Tage. Heute ist der magische Sehnsuchtsort auf der Schnellstraße 1 in vierzig Minuten zu erreichen. Die hochmoderne Zugverbindung zum Ben Gurion Flughafen bei Tel Aviv verkürzt die Fahrzeit seit einigen Wochen auf gut 20 Minuten. Durch die Altstadt selbst aber strömen die Touristen aus aller Welt wie zu Zeiten der christlichen Kreuzzüge noch zu Fuß.
In Jerusalem errichtete König Salomon den Großen Tempel für die Juden. Die Christen verbinden die Stadt mit dem Leben, Sterben und der Wiederauferstehung Jesu. Nur einen Katzensprung entfernt liegen die Heiligen Stätten des Islam - der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee. Die Verwundungen des 20. und 21. Jahrhunderts gestalten jede Veränderung schicksalhaft. Als Trump im vergangenen Jahr die Verlegung der US-amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verkündete, entlud sich der gewaltsame Zorn der Palästinenser in diesem Konflikt, in dem längst beide Seiten ihre Unschuld verloren haben. Doch das Völkerrecht unterliegt auch hier dem Recht des Stärkeren.

Fassadendetail der Grabeskirche

Fassadendetail der Grabeskirche

Priester in der Grabeskirche

Priester in der Grabeskirche

Straßenszene in Jerusalems Altstadt

Straßenszene in Jerusalems Altstadt

Übergang vom arabischen ins jüdische Viertel

Übergang vom arabischen ins jüdische Viertel



Umso erstaunlicher ist die Faszination dieser Stadt, die den Besucher in ihren Bann zieht. Eine hohe Mauer rahmt die historische Altstadt. Über sieben beeindruckende Tore - das achte, nämlich das Goldene Tor, ist seit Jahrhunderten zugemauert - gelangen wir in das verwirrende Gassengewirr. Der Geruch von Kaffee mit Kardamon oder schwarzen Tee mit frischer Minze steigt in die Nase, während die Augen im bunten Gewirr des Souks übergehen. Im armenischen Viertel mit der St. Jakobskirche ist es angenehm ruhig, hingegen wird das jüdische Stadtviertel durch einen Mix von historischen Stätten und moderner Architektur geprägt.
Besonders geschichtsträchtig in religiöser Hinsicht sind der Ölberg und der Tempelberg. Im Laufe der Geschichte war ein jeder bestrebt, seine Spuren in Jerusalem zu hinterlassen. Die christlichen Kreuzfahrer wollten Palästina vollständig unter ihren Einfluss zu bringen, woran die Annakirche zu Ehren der Mutter Maria erinnert. Das österreichische Hospiz beherbergte früher ein Krankenhaus. Heute bietet das Hotel einen spektakulären Ausblick und ist zugleich ein idealer Ausgangspunkt für einen Stadtrundgang.
Die Straßenszenen scheinen einem Geschichtsbuch entnommen: orthodoxe Juden oder alte Araber in ihren historisch anmutenden weiten Gewändern, verschleierte Frauen. Dazwischen spielende Kinder und ganz normale westliche Touristen mit ihren Handykameras. Es gibt nichts, was es nicht gibt in diesem Schmelztiegel der Kulturen.
Metallschilder mit römischen Zahlen kennzeichnen die Stationen des Leidensweges von Jesus Christus auf der Via Dolorosa. Am Ende steht die Grabeskirche, errichtet durch Kaiser Konstantin vor siebzehn Jahrhunderten. Diese ist eigentlich ein verschlungenes Bauwerk von über 30 Kapellen. Pilger aus vielen Teilen der Welt feiern Prozessionen und Gottesdienste. Das Treiben wirkt auf den Betrachter beinahe so, als wäre es für einen Spielfilm inszeniert.

Jerusalem

Jerusalem

Jerusalem

Jerusalem

Jerusalem

Jerusalem

Jerusalem

Jerusalem



Nur wenige Minuten entfernt finden sich die Klagemauer und der Felsendom. In dieser räumlichen Nähe wird uns bewusst, wie eng verwoben die Geschichte hier im Nahen Osten ist und wie kompliziert die Konflikte, die uns als schlimmste Meldungen in den Abendnachrichten schockieren. Hier vor Ort wirkt alles völlig normal und keine Sekunde beschleicht mich ein Gefühl von Unsicherheit oder Angst.
Das tägliche Leben erscheint überaus bunt und orientalisch, ob es nun jüdisch oder arabisch, historisch oder modern daherkommt. Wohl auch eine Inszenierung? Vor der israelischen Besetzung 1967 war den Juden der Zugang zur Klagemauer verwehrt. Danach riss die Besatzungsmacht Israel das vorgelagerte mittelalterliche arabische Viertel kurzerhand ab und schuf so Platz für die Western Wall Plaza.


Totes Meer


Ein ganz besonderes Naturerlebnis bietet das Tote Meer. Sein Wasserspiegel liegt mehr als 400 Meter unter Meeresspiegel. Damit ist das Gewässer der tiefste, frei zugängliche Punkt der Erdoberfläche. Auf dem Weg begleiten uns Steinwüsten, die sich im Sonnenuntergang magisch verfärben. Das Tote Meer nimmt einen jeden gefangen, wenn er das erste Mal ins Wasser geht und wie von Geisterhand getragen auf dessen Oberfläche treibt. Der durch die Verdunstung extrem hohe Salzgehalt ist sehr angenehm auf der Haut. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass er in diesem Binnensee jegliches Leben verhindert. Für den Menschen sind die pollenfreie Luft und das mineralische Wasser heilsam bei Hautkrankheiten, Rheuma oder Arthrose.

Sonnenaufgang am Toten Meer

Sonnenaufgang am Toten Meer

Karge Wüstenlandschaften grenzen an das Tote Meer

Karge Wüstenlandschaften grenzen an das Tote Meer

Jericho

Jericho



Im Wasser schützen gewaltige Sonnenschirme den Badenden vor der extremen Sonneneinstrahlung. Im Oktober liegen die Temperaturen bei "angenehmen" 41° Celsius. In den Sommermonaten werden am Toten Meer Temperaturen um 48° Celsius im Schatten erreicht. An seinem südlichen Westufer lagen einst die biblischen Städte Sodom und Gommorha. Noch heute erinnert eine eindrucksvolle Salzsäule an Lots Weib. Aber das ist schon wieder biblische Geschichte. Der Wasserspiegel des Toten Meeres ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Nicht unumstritten das Projekt, Wasser aus dem Roten Meer über eine Pipeline bis ins Tote Meer zu leiten, damit dieses eines Tages nicht völlig versiegt. Auf unserem Weg in Richtung Tel Aviv bietet sich ein Abstecher nach Jericho an, der ältesten Stadt der Welt.

Israel - Totes Meer

Israel - Totes Meer

Israel - Totes Meer

Israel - Totes Meer




Tel Aviv


Längs der Küste des Mittelmeeres erstreckt sich die Halbmillionenstadt Tel Aviv. Die pulsierende Großstadt mit ihrer aufregenden Skyline ist kaum einhundert Jahre alt. Das beeindruckende Viertel im Bauhausstil, Weiße Stadt genannt, gehört inzwischen zum Unesco-Welterbe. Im Jahr 1950 wurde das junge Tel Aviv mit dem ehrwürdigen Jaffa vereinigt, dessen Ursprünge wiederum bis in die Zeit um 3.500 v. Chr. zurückreichen. Der öffentliche Nahverkehr ist recht gut ausgebaut und preiswert. Nach kurzer Zeit der Eingewöhnung bewege ich mich problemlos wie ein Einheimischer durch die Stadt. Ohnehin sind viele Sehenswürdigkeiten fußläufig zu erreichen.

Bauhausstil prägt das historische Stadtzentrum

Bauhausstil prägt das historische Stadtzentrum

Modernste Architektur im Sarona-Viertel

Modernste Architektur im Sarona-Viertel

Hilton Beach in Tel Aviv

Hilton Beach in Tel Aviv



Israelis essen gerne und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Unzählige Kneipen und Restaurants, Bars und Imbisse laden ein. Dazu bieten Kioske 1000 Arten frischer Säfte. Die lukullische Vielfalt ist schier endlos, ob nun arabische Küche oder Mediterranes, französische Haute cuisine oder auch leckere Sandwiches. Einen Besuch lohnt der Carmel Markt mit seiner überquellenden Fülle an Obst, Gemüse, Fisch oder Gewürzen. Es ist eine Wonne, den Händlern beim lautstarken und wortreichen Anpreisen ihrer Ware zuzusehen. Natürlich reagieren die Händler auf das Interesse der Touristen und bieten T-Shirts, Musik und allerlei Ramsch an. Im Grunde ist auch Tel Aviv eben eine orientalische Stadt! So herrscht hier eigentlich immer quirliges Leben, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Ausgenommen vielleicht zu Sabbat von Freitagabend bis Samstagabend, dann geht es selbst hier etwas ruhiger zu.
Auf sieben Kilometer Länge wird die Metropole zwischen dem Hafen im Norden und dem historischen Jaffa im Süden von einem traumhaften Sandstrand gesäumt. Für Wohlgefühl sorgen die gepflegten Parkanlagen und die von beeindruckenden alten Bäumen gesäumten Boulevards. Erhöht auf dem Hügel Tel Yafo in Jaffa erstreckt sich der Park Gan HaPisgah. Von hier oben eröffnet sich der Blick auf die hotelgesäumte Küstenlinie. Hotels sind übrigens erstaunlich teuer in Tel Aviv, da sind Appartments zur Miete oft eine bessere Alternative und in jeder Preiskategorie verfügbar. Jaffa ist arabisch geprägt, Ausgangspunkt des Rundgangs ist der Clock Tower. Die Basare oder der Flohmarkt Shuk HaPishpsehim bieten touristischen Nippes, teure Antiquitäten und Teppiche. Im schicken historischen Kern haben sich viele Künstler angesiedelt. Schnell komme ich ins Gespräch, ob beim Tee oder auf offener Straße, und wildfremde Leute laden uns zum Abendessen ein. Immer wieder heißt es: "Thank you for coming here to see Israel". Spätestens im Mai 2019 wird anlässlich des Eurovision Songcontest die halbe Welt in Tel Aviv zu Gast sein.


BLITZ!-Empfehlung:
Agentur für Appartment-Vermietung in Tel Aviv: www.holyguest.com


Wort: Uwe Schieferdecker / Bild: Torsten Reineck, Udo Hickethier


Parks und die Leichtigkeit des Seins prägen das Stadtbild von Tel Aviv

Parks und die Leichtigkeit des Seins prägen das Stadtbild von Tel Aviv

Jaffa

Jaffa

Künstlerviertel im Zentrum Jaffas

Künstlerviertel im Zentrum Jaffas

Israel

Israel