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Wolkenkratzer im Presnensky District am Ufer der Moskwa

Wolkenkratzer im Presnensky District am Ufer der Moskwa

Moskau für ein langes Wochenende

96 Stunden


Moskau, das ist nicht nur die Hauptstadt des flächengrößten Staates der Erde. Die russische Kapitale mit ihren zwölf Millionen Einwohnern gilt auch als die Nummer Eins in Europa. So vielgestaltig wie das Land ist auch seine kosmopolitische Hauptstadt: Die spitzen Türme des Kreml und die bunten Zwiebeltürme der Basilius-Kathedrale am Roten Platz scheinen doch geradewegs aus einem "Skaska", einem russischen Märchen, zu stammen. 1990 erklärte die Unesco das Ensemble zum Weltkulturerbe. Die imposante Kathedrale wurde unter Iwan dem Schrecklichen im 16. Jahrhundert auf kreuzförmigem Grundriss errichtet. Der Legende nach ließ der Zar den Baumeister Posnik Jakowlejew anschließend die Augen blenden. Hatte dieser doch leichtfertig die Frage bejaht, ob er imstande sei, eine noch schönere Kirche zu bauen. Neun Kapellen beherbergt das pittoreske Bauwerk, welches erst seit 1991 wieder für Gottesdienste genutzt werden darf.
Moskau - das ist die Stadt der Kontraste. Da sind die sieben gewaltigen Hochhäuser im Stalinschen Zuckerbäckerstil, die bis heute etwa das Außenministerium und die Lomonossow-Universität, aber auch das luxuriöse Radisson Hotel beherbergen. Im Kontrast zu der sozialistischen Architektur stehen die futuristischen Wolkenkratzer im Presnensky District. Die neuen Wahrzeichen des Turbokapitalismus beherbergen Verwaltungen der russischen Öl- und Gasriesen, Medienunternehmen wie auch das Novotel.

Radisson Luxushotel mit beeindruckender Architektur

Radisson Luxushotel mit beeindruckender Architektur

Viele Metrostationen verbreiten einen mondänen Glanz

Viele Metrostationen verbreiten einen mondänen Glanz

Alt und neu liegen nur einen Katzensprung auseinander

Alt und neu liegen nur einen Katzensprung auseinander


Einen Besuch wert ist aber auch der "Depot Markt" in roter Ziegelsteinoptik, der eine riesige Fressmeile beherbergt. Unzählige Restaurants und Verkaufsstände bieten von Kaviar bis Pizza, von Seeigel bis hin zu exotischen Früchten alles, was das Herz begehrt. Kein Wunder, dass sich davor die Luxus-Limousinen drängeln. Und überhaupt: Reichtum muss hier gezeigt werden. Das wirkt für den Mitteleuropäer umso befremdlicher, schreit ihn doch an der nächsten Ecke die bitterste Armut an.
Basilius-Kathedrale am Roten Platz

Basilius-Kathedrale am Roten Platz

Dieser spannende Mix aus Europa und Asien ist von den Flughäfen Dresden und Leipzig aus günstig erreichbar. Vom Flughafen Scheremetjewo bietet der Aeroexpress die beste Verbindung in die City. Das Taxi ist für 2 Personen zwar nicht teurer, aber eben auch nicht schneller.
Auf den breiten Chausseen der russischen Hauptstadt herrscht nahezu rund um die Uhr Verkehrschaos! Von den Fassaden aus sowjetischer Zeit grüßen monströse Reklamewände wie in Tokyo oder am Times Square. Wenig verändert hat sich hingegen die Pracht der Metrostationen. Das 1935 eröffnete unterirdische Verkehrsmittel wird ständig ausgebaut. Derzeit hat das Streckennetz eine Länge von 388 Kilometern - in Berlin sind es vergleichsweise 146 Kilometer. Die Untergrundbahn der russischen Kapitale verfügt über Bahnhöfe von einer weltweit nicht wieder erreichten Pracht. Bekannte Vertreter sind die Stationen Komsomolskaja, Kiewskaja oder Majakowskaja. Die unterirdischen Paläste des sozialistischen Klassizismus befinden sich meist in großer Tiefe - bis zu 84 Metern werden gemessen. Auch ihre Zuverlässigkeit und die Geschwindigkeit von fast 100 Stundenkilometern macht die Metrofahrt zu einem Erlebnis. Ein guter Ausgangspunkt für die Eroberung der Hauptstadt ist das Hotel Mercure Arbat an der gleichnamigen Fußgängerzone mit vielen Shops und Ständen. Obwohl durchaus touristisch, lieben auch die Moskauer den rund einen Kilometer langen Boulevard. Viele berühmte Künstler haben hier gewirkt, inzwischen befindet sich um den Arbat auch ein Szeneviertel. Nur ein Katzensprung ist es bis zum Gorki Park am Ufer der Moskwa. Die idyllische grüne Oase stammt noch aus sowjetischer Zeit, woran die Leninplakette am Eingang erinnert. Zwischen englischem Rasen und Wasserspielen prangt ein wahres Blumenmeer. Abends aber werden die Tore des 1927 angelegten Parks geschlossen. Auf dem Veranstaltungsgelände werden im Sommerhalbjahr Open-Air-Konzerte veranstaltet, im Winter verwandeln sich die Wege in Eisbahnen.

Idyllischer Gorki-Park im Herzen der Großstadt

Idyllischer Gorki-Park im Herzen der Großstadt

Matrjoschka-Mania

Matrjoschka-Mania

Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz an der Kreml-Mauer

Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz an der Kreml-Mauer


Für Moskauer Verhältnisse ist der Weg nun nicht weit zur Tretjakow-Galerie, ein Muss für jeden kulturinteressierten Besucher. Das Gebäude in Altmoskauer Bauweise ist benannt nach einem russischen Textilkaufmann und Kunstsammler und gilt mit 140.000 Ausstellungsstücken als wichtigste Sammlung russischer Kunst überhaupt. Alte Ikonenmalerei, Werke von Ilja Repin oder Iwan Kramskoi gehören zur umfänglichen Dauerausstellung. Die Galerie zeigt darüber hinaus ständig mehrere Sonderausstellungen, im Herbst 2019 stehen unter anderem "Geometrien", daneben Werke von Ivan Pokhitonow und Nikolai Nasedkin auf dem Programm. Vor der Tretjakowskaja bieten zahlreiche Pavillons und Straßenstände ein breites Spektrum von Kleinkunst bis Kitsch...
SIXTY Restaurant & Bar in über 300 Metern Höhe mit spektakulärem Ausblick

SIXTY Restaurant & Bar in über 300 Metern Höhe mit spektakulärem Ausblick

Völlig verändert hat sich das weltberühmte GUM am Roten Platz. In den achtziger Jahren zierten Pyramiden aus Würfelzuckerpaketen die Schaufenster, wurden klobige Uhren und einheimisches Porzellan neben allerlei Kitsch feilgeboten. Heute bietet das GUM all jenen Luxus, den das verwöhnte Herz begehrt, sofern die goldene oder schwarze Kreditkarte es hergeben.
Am Abend fahre ich mit Freunden durch die märchenhaft angestrahlte City. All die Zwiebeltürme der Kirchen, der gewaltige Kreml und die historischen oder hypermodernen Hochhäuser werden illuminiert, sehen nachts oft noch schöner aus als am Tage. Die Clubszene: Vom über 20 Jahre alten "Propaganda" mit recht günstigen Preisen und leichtem Zutritt über den vor allem von Touristen frequentierten "Gipsy Club" bis zur Duran-Bar in einer früheren Textilfabrik für die Schönen und Reichen ist das Angebot überaus breit. Letztlich landen wir im Restaurant "Sixty" im 60. Stock des Förderationsturms. Die internationale Küche ist zwar nicht gerade billig und die Portionen auch eher überschaubar, doch die Aussicht vom höchsten Restaurant der Stadt ist bei Livemusik im Italo-Sound überaus faszinierend. Plötzlich öffnen sich die Fenster wie von Geisterhand nach oben, wir glauben zu schweben über dem Lichtermeer der russischen Metropole...


Wort: Uwe Schieferdecker / Bild: Torsten Reineck


SIXTY Restaurant & Bar

SIXTY Restaurant & Bar

Die Christ-Erlöser-Kathedrale wurde erst vor 20 Jahren wieder aufgebaut

Die Christ-Erlöser-Kathedrale wurde erst vor 20 Jahren wieder aufgebaut

Verkaufsstände hunderter Künstler vor der neuen Tretjakov-Galerie

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