Mario Thiel
Ich mache den Fisch
Manche meinen, es wäre mehr als der dritte Platz drin gewesen. Möglich. Aber ich kann feststellen, ein so spielerisch hohes Niveau wie die deutsche Mannschaft bot kein anderes Team.
In der Kreativität stand der Mannschaft aber der Einzelhandel in nichts nach. Ich möchte ihm dafür danken, dass er auf die ureigensten Bedürfnisse des Fußball-Fans eingegangen ist und uns die Fußball-WM zum Event gemacht hat. Nehmen wir die Vuvuzelas, die in Afrika schon vorher bekannt waren. Die FIFA vergibt die WM nach Afrika und ist dann über das Verhalten des Afrikaners erstaunt, der nicht sofort bereit war, sich zivilisiert, also europäisch zu benehmen. Bläst die Vuvuzela, obwohl er wissen sollte, dass wir das nicht vertragen und dank vieler Tests nachweisen konnten, dass die Dinger gefährlich sind. Schade, dass wir so viele Truppen in Afghanistan haben, wo wir doch ein paar Leute zum Schutz gegen Lärm in Südafrika gebraucht hätten. Damit sich der heimische WM-Zuschauer ein Bild von der Gefährlichkeit dieser "Afrika-Tröten" machen konnte, gab es die auch in Deutschland überall und das für erschwingliche 1,99 Euro. Manchmal gab es die auch dazu, wenn man zum Beispiel statt eines Kasten Bier gleich zehn nahm, was am Ende hieß: Pro Kasten fast 20 Cent gespart, weil Vuvuzela kostenlos. Clever! Übrigens sitze ich beim Schreiben auf meinem Bierkasten-Sitzkissen, was erfunden wurde, weil der Fußball-Fan zum Public Viewing immer mit Bierkasten geht. Den trinkt er vorm Einlass noch schnell leer und da zwanzig Flaschen etwas dauern, kann er sich dabei bequem setzen, ohne Kronkorken im Darmausgang zu spüren.
Apropos: Der Hammer war für mich das "Toilettenpapier mit Rasenduft", die WM-Edition. Dummerweise hatte ich erst eine Woche später davon erfahren, um im Geschäft den Satz zu hören: "Junger Mann, das war schon letzte Woche in der Werbung!" Das war raus! Das ging wie warme Semmeln. Das war so eine Art Anal-iPad. Hätte ich mir denken können, bei der Scheiße die hier gemacht wird. Allerdings habe ich nicht herausgefunden, ob es beim Rasenduft verschiedene Duftstärken gab, denn nach einer Fußballnacht mit Bier, Chips und Zigaretten hat ein einfacher Rasenduft früh keine Chance. Übrigens waren das natürlich "Champion-Chips". Mein Tipp für nächstes Mal: Nicht nur Rasenduft, sondern auch aus dem entsprechenden WM-Stadion!
Sehr schön fand ich auch das Duschbad für Ihn, als wenn der echte Fußball-Fan Duschbad brauchte. Jedenfalls gab es ein Duschbad "Elfmeter", und ich fragte mich: Wie riecht ein Elfmeter? Wie Poldi? Ein anderes hieß "Volltreffer" und kann nur nach Loddar riechen. Schon sind wir bei den Schiedsrichtern. Die waren fast alle von irgendwelchen Reha-Zentren geschickt. Manche hatten einen regelrechten sozialen Karten-Tick und versuchten, die gelben und roten Kartons gleichmäßig an alle Spieler zu verteilen. Während die anderen besser beim Augenarzt die Wahrheit gesagt hätten, als es um die Frage ging, ob sie das Hochhaus auf der anderen Straßenseite sehen können. Solche Schnitzer kenne ich sonst nur von der FDP. Okay, auch von der CDU/CSU. Wobei die SPD auch so was drauf hat. Naja, Linke und Grüne sind definitiv nicht fehlerfrei, was schon ihre Gründung beweist.
Tatsache ist auch, dass man während der Fußball-WM das Volk mal so richtig verarschen konnte, die haben es doch gar nicht gemerkt. Wie bitte soll ich den Spruch verstehen: "Dresden ist schuldenfrei, aber Risiken wachsen"? Wenn ich das richtig verstanden habe, ist es so, dass Dresden als Stadt keine Schulden hat, aber die Tochterfirmen der Stadt schon. Die Stadt bürgt nur. Aha! Es kommt aber immer darauf an, ob man für oder gegen ein Projekt ist. Dann ist eine Bürgschaft eine Katastrophe oder gar kein Problem. Stimmt's, Herr Vorjohann? Interessanterweise hat er beim Bau des Dresdner Harbig-Stadions ständig vom Risiko einer Bürgschaft gesprochen, welches es beim Kauf eines Energieversorgers für reichlich 800 Millionen kaum gibt. Das Risiko liegt immer im Auge des Betrachters, dachte sich auch die Regierungskoalition und machte Christian Wulff zum Bundespräsidenten. Klarer Sieger in der dritten Runde, nach technischem K.O. von Gegner Gauck.
Übrigens, Frau Merkel, begann es in der französischen Nationalmannschaft mit leichten Verstimmungen zwischen Mannschaft und Trainer, dann kam eine offene Revolte, am Ende brach alles zusammen und die Franzosen flogen mit Schimpf und Schande nach Hause. Darauf eine Pulle aus der Likör-Fanbox!
Ich mache den Fisch und sage
ciao, Euer Mario

