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Kudernatschs Kolumne

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Kaffee auf Rädern


Neulich standen wir an einer wichtigen Erfurter Kreuzung, dem "Kaffeetrichter". Vor uns an der Ampel wartete ein Opel mit dem Schriftzug "Mokka Turbo". Während ich mich darüber freute, wie sehr das Modell doch zum "Kaffeetrichter" passen würde, wies mich meine Beifahrerin Brenda auf die Farbe des Opels hin. Zugegeben, es war ka**braun, weshalb Brenda bei "Mokka Turbo" auf einen schlimmen Durchfall kam, der flüssig bis zu den Hacken reichte. Sie beschrieb ihn sogleich ausführlich. Weitere Details möchte ich Euch gern ersparen.

Ich schluckte und verteidigte meinen Kaffeevergleich. Opel hätte schon immer eine besondere Neigung zu allem besessen, was sich mit Kaffee verband. Allein "Insignia" - das würde doch nach einer teuren Kaffeemaschine klingen. Worauf Brenda konterte: "Ja, und 'Corsa' nach einer Nespresso-Kapsel. Und weißt du was, der sieht auch so aus!" Zu Hause angekommen prüfte ich weitere Opel-Modelle auf ihre Kaffeeverträglichkeit. Und sie passten alle wie die Kapsel in die Maschine - ob nun in die, für die George Clooney wirbt, oder in die der Konkurrenz. Nehmen wir nur Meriva (ungestüm wie Merida), Cascara (sehr plätscherfreudig) oder Combo (vermutlich mit Schokolade drin). Selbst die Namen der opeligen Lieferwagen Movano und Vivaro klangen da edel und nach gediegenem Sonntagnachmittag mit Kaffeegenuss.

Ich überlegte weiter. Wie können deutsche Automodelle nur solche Namen haben? Warum heißen sie nicht ganz einfach "Marta" oder "Horst" oder "Edeltraud"? Das erinnerte mich an früher, als Autos noch Gesichter von Menschen für mich hatten. Das war in der ersten Klasse: Ein Moskwitsch sah aus wie meine Hortnerin Frau Metzki und ein Barkas wie meine Lehrerin Frau Peters.
Doch zurück zu Opel. Dort hat man erkannt, dass der Kaffeeabsatz sinkt. Rasch geht man nun neue Wege und tut alles für eine nette Modell-Palette, und zwar in Richtung Nostalgie, in Richtung meiner ersten Klasse.

Ein automobiler Anfang ist gemacht - mit dem Opel Adam und dem Opel Karl. Die gibt es bereits, und ein Eisenacher Freund träumt mutig weiter von einem Modell für rüstige Rentnerinnen. Das könnte der Opel Waltraud mit nur 35 PS sein. So könnte man da vorpreschen - oder eben auch nicht. Klarnamen sind angesagt. Für die Jugendlichen vom Lande müssten freilich sportliche Jugendmodelle her - sie könnten Opel Kevin oder Opel Chantalle heißen, wären tiefer gelegt und bei Schlaglöchern und Bodenwellen quasi überhaupt nicht zu benutzen. Dahin geht der Trend. Diese Schickimicki-Kaffeekapsel-Benennung hat längst ihren Zenit überschritten. Da hätten nur noch Opel Latte oder Opel Muckefuck folgen können.

Bevor die Kaffeelinie ganz verschwindet, sollten wir noch einmal innehalten. Es war ja nicht alles schlecht. Deshalb folgt ein Kaffeesatz: Stellt den Ampera-Schalter an, auf dass die Insignia-Maschine gurgelt und die dunkeläugige Zafira (vermutlich die kleine Schwester des Sarotti-Mohrs) das edle Vivaro-Kaffee-Geschirr hereintragen und cascara-artig den Mokka Turbo eingießen kann.

Aber trinkt nicht zuviel davon, sonst haut der durch. Und dann wird alles wahr, was Brenda dazu eingefallen ist und ich Euch bis zum Schluss erspart habe!


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC