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Kudernatschs Kolumne

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Mit dem Willen zum Grillen


"When the sun goes down, wird die Bratwurst braun", so dichten die Disco Boys. Der Grill-Entertainer Andreas Rummel aus Nordhausen wird nicht müde, folgendes Sprüchlein aufzusagen: "Wer anderen eine Bratwurst brät, braucht ein Bratwurstbratgerät." Ja, aber welches denn?

Ich kann mich leider zu gut daran erinnern, wie ich einst Bratwürste für 50 Leute auf einem kleinen Elektro-Grill braten sollte. Obwohl das Teil auf all seinen 40 x 20 Zentimetern rot glühte, war es für die Würste immer noch nicht heiß genug. Die Gäste murrten, gaben kluge Kommentare ab, und manche aßen die Würste roh, quasi wie Stieleis. Andere Gäste hingegen sind wohl verhungert, und der Elektrogrill kühlt heute noch aus, auf irgendeinem Schrottplatz. Also: Elektrisch ist hektisch! Geht vielleicht als Po-Heizung, aber mehr nicht. Gas hingegen macht Spaß - aber auch bloß bis zur ersten Verpuffung. Oder bis zum ersten Abflug: Wer einmal erlebt hat, wie eine gezündete Gasflasche abgeht und durch Wände wie durch Butter dringt, schnallt vielleicht die böse Schwiegermutter vorher an die Pulle. Alle anderen - oder die, deren Schwiegermutter bereits davongeflogen ist - nehmen Abstand vom Gasgrill.

Um es kurz zu machen: Ich bin für Feuer! Holzkohlegrills gibt es in allen Größen und Preisklassen. Man kann sie prima bei Waldbrandstufe 3 mit in den Wald nehmen, alles schön schwarz werden lassen und zuletzt die Asche in Blumentöpfe füllen und damit die Kinder "Urne" spielen lassen. "Fire-Food-Fun", meint der Grillmann Andreas Rummel aus Nordhausen ganz international. Das wussten schon die Urmenschen: Nur wer Feuer hat, hat anschließend was zu essen und danach seinen Spaß. Und dabei konnten die gar kein Englisch.

Seit einem Grillkurs beim Grillweltmeister Hans-Joachim Fuchs grille ich immerhin ohne Stichflamme. Bis vor zehn Jahren ungefähr zündete ich beim Anheizen gern den Sonnenschirm der Nachbarn und unsere Sitzpolster an. Inzwischen bleibt das Feuer dort, wo es hingehört. Nämlich im Grill (und an der Hose des Nachbarn). Das hat uns der Meister gelehrt! Meinen Kumpel Matze und mich brachte der Kurs sogar ins Fernsehen. Der Rest der Teilnehmer bestand nämlich aus Leuten, die für Kabel 1 einen Film über den Grillkurs drehten. Dadurch waren Matze und ich ständig im Bild, weil die Crew sich ja nicht selbst zeigen konnte. Wir mussten immerzu grillen, trinken und essen. Außer uns und Meister Fuchs war niemand zu sehen. Sonst hätten alle Kabel-1-Zuschauer gedacht: "Die Kamera-Teams bei diesem Sender bestehen aus zehn Pyromanen, und die sind alle verfressen und betrunken!" Ich kann das jetzt nur schreiben, weil es verjährt ist und das Fernsehen heute viel schlimmere Dinge zeigt - wie "Topmodel" oder Florian Silbereisen.

Wichtig bei jeder Grill-Party ist: Der Mann oder die Frau am Grill will nicht angesprochen werden. Er oder sie will nicht mit allen anderen am Tisch sitzen und gemeinsam speisen, sondern heimlich die besten Häppchen direkt vom Rost in den Mund stecken. Wenn etwa Hamburger gegrillt werden, kann es passieren, dass nicht einer am Tisch ankommt. Wer es merkt, sollte nichts dazu sagen, sondern sich vielmehr mit einem frischen Bier für den Griller oder die Grillerin am Rost einfinden und schweigend mitnaschen. So geht Grillen in Thüringen! Ohne Strom, ohne Gas - und vor allem ganz ohne Worte.


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC