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Kudernatschs Kolumne

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Rettet Nordthüringen!


Wir feiern (und reihern) derzeit fröhlich vor uns hin: Erster Mai, Männertag, Pfingsten. Es kommt wirklich immer knüppeldicke im Wonnemonat. Darüber vergisst man aber die wirklich wichtigen Dinge. Zum Beispiel merkt niemand, was in Nordthüringen alles schief läuft. Beziehungsweise schief steht. Anstatt den schiefen Kirchturm in Bad Frankenhausen endlich gepflegt umfallen zu lassen, wird weiter dafür Geld ausgegeben, ihn schön schief stehen zu lassen. Das kostet und frustriert alle, die sich gern was Anderes kosten lassen möchten. Die zum Beispiel endlich in echte Elefanten fürs "Elefantenklo" investieren würden. Hätte man den schiefen Turm nicht mit an den Spanier verkaufen können, der im Eichsfeld die Burg Gleichenstein erworben hat? Der will ja da Falken züchten. Dann hätte er für eventuelle Übungsflüge gleich in Bad Frankenhausen eine schöne Zwischenstation gehabt. Für die edlen Falken zum Ausruhen und ihren vogelhaften Toilettengang. Will heißen: Die gefiederten Gäste hätten so schön auf Bad Frankenhausen scheißen können - vor dem Rückflug zur Burg Gleichenstein.
Natürlich kann man nicht ganz Nordthüringen an reiche Spanier verkaufen - das ist keine kanarische Insel und für spanische Investoren viel zu kalt. Dann müssten sie eben mehr trinken, zum Beispiel Doppelkorn aus Nordhausen. Auch da gibt's schlechte Neuigkeiten: Nordbrand hat im vergangenen Jahr weniger Doppelkorn verkauft. Das ist traurig, denn bisher haben die Nordthüringerinnen und Nordthüringer das getan, was am besten in ihren Landstrich passt: Sie haben ihn sich schön getrunken. Doch wenn sie nun weniger im Delirium herumtorkeln und nicht mehr alles verschwommen wahrnehmen, gefällt ihnen ihre Gegend vielleicht plötzlich nicht mehr - und sie wollen alle in den Süden.
Kein Problem, der Thüringer Wald ist groß genug für Auffanglager für nordische Einwanderer. Nur ist der Südthüringer nicht unbedingt als großer Freund der Fremden bekannt. Es könnte also Probleme geben - und schon brennt der Rennsteig. Soweit muss es nicht kommen! Es sollten einfach alle in den Städten mit "Hausen" im Namen (Entenhausen ausgenommen) wieder deutlich mehr zur Flasche greifen. Der Lieferant müsste nur die Preise ein wenig senken und vielleicht doch noch alte Ostbestände rausrücken, wenn die neue Rezeptur den Menschen eventuell nicht ganz so mundet. Wie sang schon Heinz Erhardt so schön? "Wenn ich einmal traurig bin, trink ich einen Korn. Und wenn ich dann noch traurig bin, fang ich an von vorn!" - So optimistisch muss man die Sache angehen - und das sogar doppelt. Denn wir reden ja nicht nur von Korn, sondern von Doppelkorn.
Und wenn sich dann die Menschen ihre Region wieder schön getrunken haben, dann sind sie vielleicht sogar bereit, in Bad Frankenhausen selbst aktiv zu werden. Ganz ohne Kosten! Alle, die Stütze kriegen, geben Stützkraft zurück. Ja, eine menschliche Pyramide aus 100 Freiwilligen, gegen den schiefen Turm gelehnt, könnte seinen Einsturz aufhalten. So lange nur die richtige Flasche kreist ...
Oder es zieht Plan B: Nordthüringen wird doch komplett nach Spanien verkauft. Es werfen einfach alle ihren Grill an - und schon wäre es warm genug für Thuringia Espana, das neue Paradies. Die Bullen organisieren Stierkämpfe, Klöße werden zu Tapas umgeschnitten und irgendwann spielt Real Nordhausen gegen Atletico Nordhausen. Dann schauen wir neidisch rüber, weil wir im restlichen Thüringen festsitzen. Denn das will unter Bodo Ramelow höchstens Kuba haben - oder Nordkorea. Aber das ist eine andere Geschichte.


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: Ricky Fox