Wein zum Essen
Kudernatschs Kolumne

Kudernatschs Kolumne

Kudernatschs Kolumne

Tattoos, über die man spricht


Auweia, in 20 Jahren gibt es ganz viele Omas und Opas mit Tattoos an diversen Körperstellen. Aus den Tattoos sind zu diesem Zeitpunkt längst verwelkte Schriften geworden, die niemand mehr entziffern kann. In der Jugend war das anders, da hat man sie stolz vorgezeigt in den Clubs und bei den Festivals, um sich möglichst ohne große Gespräche einen schnellen Gesellen für die Nacht zu angeln. Da ist es praktisch, dass sich Mädchen den eigenen Namen in den Nacken tätowieren lassen oder Männer auf den Wanst. Da kann der mögliche Beischlafpartner beim Vollzug spicken, wie das beteiligte Wesen heißt. Falls er den Namen vorher nicht verstanden oder nicht danach gefragt hat. Nur rate ich ab, die Namen der eigenen Kinder irgendwo einzubrennen - das trägt zu Verwechslungen bei. Außerdem, mal ehrlich: Möchte irgendjemand, dass seine Eltern seinen Namen auf der Haut tragen? Stellt sie Euch vor, unsere Mütterchen und Väterchen, mit ihren 60 oder 70 oder 80 - und auf dem ledernen Rücken, dem zerfurchten Latz oder dem wettergegerbten Bein steht "Jürgen 1970" oder "Kerstin, mein Sternchen" oder "Ei Herzchen Detlef" geschrieben! Ist das nicht peinlich? Oder sorgen solche Tattoos dafür, dass die darin erwähnten Kinder mehr geliebt werden, weil die Mama und der Papa durch die Inschriften schon morgens daran erinnert werden, dass da noch jemand ist?
Dann will ich nichts gesagt haben. Allerdings: Bis es nicht wissenschaftlich bewiesen ist, setze ich meine Kritik fort. Schlimm finde ich nämlich, dass es zunehmend Frauen gibt, die sich das Dekolleté tätowieren lassen. Nicht mit Pfeilen, die auf den Busen zeigen oder einer Bedienungsanleitung dafür, sondern mit sinnlosen Ornamenten und chinesischen Schriftzeichen, die letztlich "Pekingente" bedeuten. Quak, quak! Das ist Quark, Klartext ist angesagt! Bei Naturbusen etwa "Kein Schickimicki-Tralala", bei echten Männerbäuchen "Bier formte diesen schönen Körper". Das sind Tattoos, über die man spricht. Ich bin für feinere Inschriften. Politisch wäre gut. Oder aufklärerisch. Oder eine Mischung aus beidem. Sowas wie "Xenophobie ist nicht die Angst vor Druckerpapier". Das ist freilich zu lang - da bräuchte man einen breiten Rücken als Unterlage. Sonst wird die Schrift viel zu klein. Überlegt in Ruhe, und Ihr werdet knackigere Botschaften finden! Ich bin mir sicher.
Apropos knackig! Knackis und Matrosen sind schuld - die haben damit angefangen und das Tätowieren, das es hier gar nicht gab, eingeschleppt. Ein uriger Witz belegt das: Ein Matrose liegt im Krankenhaus. Da sagt eine alte Krankenschwester zu einer jungen: "Der ist überall tätowiert, sogar an seinem Schwanz, da steht Rumbalotte drauf." Da sagt die Junge: "Das glaub ich nicht, da guck ich nach." Schließlich kehrt sie zurück und sagt: "Das heißt nicht Rumbalotte, das heißt Ruhm und Ehre der baltischen Rotbannerflotte!" Wer solche Aussagen von sich geben möchte, kann das voll easy digital in den sozialen und asozialen Netzwerken tun. Der muss sich nicht gleich tätowieren lassen! Wer analog auf Schriftzüge steht, dem rate ich als Retro-Hetero zum Auto-Aufkleber. Diese Aufkleber lassen sich bei Bedarf abpolken - und wenn nicht, wird eben drüber lackiert, oder das Auto wird verkauft. In diesem Fall erhält man Geld für das Entfernen. Probiert das mal bei einem Tattoo!


Kudernatsch liest:

15.09. Saalfeld, Bibliothek
28.10. Sömmerda, Stadt- und Kreisbibliothek


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC