Kudernatschs Kolumne

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Haarige Hobbitfüße


Neulich war ich beim Rundfunk und musste auf die Toilette. Vorbei am Hörspielstudio, wo gerade Promi XY einen Text für ein Feature aufsagte. Manche Schauspieler bringen ihren Hund mit ins Studio, Promi XY brachte seinen Sohn mit. Den habe ich aber nicht gesehen, denn ich muss-te ja auf die Toilette. Bei den Herren war das eine Klo nicht gespült. Aha, dachte ich mir, das könnte der Sohn von Promi XY gewesen sein. Mit fünf-zehn Jahren haben Jungs andere Träume, als Inschriften wie "Bei Streifen von Würsten bitte bürsten" zu folgen. Darum droht man ihnen in einem gewissen Alter, das ich bald erreiche, mit dem Stock hinterher.
Beim Rundfunk öffentlich-rechtlicher Art gibt es gestütztes Essen. Das heißt, dass das Essen wie in jeder Betriebskantine nicht so viel kostet, wie es kosten müsste, um - sagen wir - richtig gut zu schmecken. Darum schmeckt es nicht nur nicht, sondern es ist scheinbar generell nicht gut, so dass die Leute, die da zu tun haben, ganz viel auf die Toilette müssen und dann dort zu tun haben. Das geht jetzt aber nicht, denn eine Kabine gehört mir. Dieser Notdurft-Trend beim Rundfunk reicht bis zur "Tagesschau". Die schöne Judith Rakers und der Jan Hofer sind betroffen. Früher hatten sie es leichter. Da sah man nur den Oberkörper von ihnen - und sie konnten im Unterrock oder im Schlüpfer arbeiten oder mit Eimer unten drunter. Bei Durchfall kann sowas praktisch sein. Da läuft die Sendung schön flüssig durch.
Heute geht das nicht mehr oder die Praktikanten müssen die Sauerei wegmachen. Spätestens, wenn der Wetterbericht kommt. Denn danach schwenkt die Kamera um - und man sieht, wie die Sprecherinnen und Sprecher hinter dem Ansagetisch stehen. Man sieht sie vollständig mit ihren Beinen und Füßen. Daher müssen sie komplett korrekt bekleidet sein. Schlabberhose und Crocs gehen da nicht. Denn nachher hat zum Beispiel die schöne Judith haarige Hobbit-Quadratlatschen - und solche Eindrücke lenken dann doch sehr vom Nachrichtengeschehen ab.
Mein Kumpel Micha findet das nicht ausreichend. Er hat ganz andere Sorgen. So sollten die Sprecherinnen und Sprecher zu Beginn der "Tages-schau" niemals "Guten Abend!" sagen. Denn was dann folgt, sind meist grausige Nachrichtenmeldungen aller Art, und der gute Abend ist im Eimer. In so einem Eimer, wo früher der Durchfall drin war, denke ich. Micha meint, man sollte die Zuschauerschar einfach neutral begrüßen, um den guten Abend nicht zu verderben. Ich halte dagegen, dass das doch nichts an den Nachrichten ändern würden. Die hätten vermutlich weiter nichts mit einem guten Abend zu tun.
Micha sagt, wenigstens hätten die von der "Tagesschau" dann nicht auch noch das Gegenteil behauptet. Ich befürchte, Micha ist kompliziert, aber ich leite diesen Vorschlag hiermit öffentlich an die ARD weiter. Die kann gern in diversen Ausschüssen darüber diskutieren, was voraussichtlich Jahre dauern wird. Denn in Kennerkreisen stehen die Buchstaben ARD längst für "Alle reden durcheinander". Darum weiß ich nicht, ob Micha das Ende dieser Diskussion noch miterleben wird und irgendwann niemand mehr "Guten Abend" sagt. Vielleicht steht ein spätes Dankeschön auf seinem Grabstein.
Solche Gedanken kommen einem nach dem Kantinenessen beim Rundfunk auf dem Klo. Nur weil vielleicht der Sohn von Promi XY nicht gespült hat. Wer sonst? Wenn ich den erwische!


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC