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Kudernatschs Kolumne

So viel Sommer!


Was in der Landeshauptstadt Theatersommer heißt, nennt man andernorts Sommertheater. Das ist gehuppt wie gesprungen, wie man landläufig so sagt.

Beides fällt ins Wasser. Zumindest regnet es immer, wenn ich in Erfurt oder Jena ins Sommertheater gehe. Dann platscht es heftig auf den Plastiksack, den man sich über den Kopf zieht, die Turnschuhe laufen voll und die patschnassen Klamotten liegen an wie eine zweite Haut.
Nur in Weimar nicht - da werden alle gebraten, die in den Stadtschloss-Hof geraten: 40 Grad, und jeder hat'n Schatten. Denn da brennt's einem das Hirn weg, was nur noch getoppt wird durch das Liebhabertheater Großkochberg. Das muss man wirklich lieb haben, denn hier laufen Singspiele, Kammerspiele und noch ganz andere Spiele in einem ungelüfteten Raum. Dafür pranzt die Toilette im Keller des dortigen Schlosses mit italienischem Marmor, da die heimische Fliese der Stiftung Weimarer Klassik wohl zu poplig schien für den erhabenen Ort. Aber sicherlich ist mir die Hitze im Theater nicht bekommen und ich habe all dies verschwommen und falsch wahrgenommen.
Hingegen gut erinnern kann ich mich an einen "Sommernachtstraum" in der Erfurter Barfußruine, in dem mittendrin der Kobold Puck plötzlich ausgeträumt hatte. Er verwandelte sich in einen mittelmäßigen Schauspieler, der plötzlich Titania, Zettel und Co. links liegen ließ und stattdessen eine politische Rede hielt, um die Kulturpolizisten der Stadt anzuprangern.
So viel Exotik muss nicht sein! Nein! Einfach ist einfach schön. Wie ich neulich im Spreewald gelernt habe: Südfrucht vergeht, saure Gurke besteht. Theater geht auch zu Hause. Zu Hause ist es am schönsten. Sauer macht lustig, auch wenn die einen das sind - und die anderen das.
Ich denke da an unsere Nachbarn, an deren Terrasse ein Bewegungsmelder saß, ein harter Vogel vom Pfennigpfeiffer. Und dann kam ein kleiner Hund zu Besuch und biss dem witterungsfesten Wachposten den Kopf ab. Das gab ein Theater! Ich selbst habe auch das Zeug dazu und mache ein großes Theater, wenn zum Beispiel wieder jemand meinen Grillrost in die Mülltonne wirft. Doch genug davon.
Denn jetzt möchte ich noch rasch vor der Erfurter Kinderoper "Die Omama im Apfelbaum" warnen. Die könnte gefährlich sein und die Kleinen auf dumme Gedanken bringen. Man stelle sich vor: Omama sitzt im Apfelbaum, Opapa im Kirschbaum, Onkelchen im Pflaumenbaum und Tantchen in der Quitte. Und wenn sie die Kinder dann nerven, nehmen die ihnen die Leitern weg und lassen die Alten da oben verfaulen! Bis sie runterfallen - das ist Fallobst 2014.


Internet:

www.kudi.de


Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC