Wandelism - Street Art für den Moment

Wandelism - Street Art für den Moment

Wandelism

Street Art für den Moment


Sprayer sind es gewohnt, dass ihre Werke über kurz oder lang abgeschrubbt, übermalt oder auch verbaut werden. Im durch und durch biederen Berliner Ortsteil Wilmersdorf geht das wohl noch schneller vonstatten als anderswo. Immerhin sieben Tage waren einer temporären Galerie in der Wilhelmsaue 32 vergönnt. Doch Urban Art weiß zu begeistern. So verschob das Immobilienunternehmen kurzerhand den vorgesehenen Abbruchtermin und das Spektakulum öffnete sich Ende April den Besuchern noch einmal für zwei Tage.



"Die einzige Konstante Berlins ist der Wandel!" lautet das Credo der 66 Künstler, die binnen vier Wochen ein für den Abriss vorgesehenes Autohaus mit Street Art verwandelt hatten. Sie wollen damit ein Zeichen setzen gegen die Kommerzialisierung und Monopolisierung der Straßenkunst. 30 Prozent ihrer Erlöse stellen sie für einen Kinderwald in einer Berliner AWO-Kita zur Verfügung. Den zumeist Berliner Künstlern um Senor Schnu und Baye Fall geht es dabei um Freiräume, ja um die Freiheit der Kunst.



Hohe Ideale, die uns in einer Zeit der Sprachhülsen in Politik und Marketing zunächst eher skeptisch machen. Doch was sich dem Auge dann bereits auf dem Vorplatz und mehr noch in den Hallen und Räumen des einstigen Autohauses bietet, übersteigt alle Erwartungen. Tausende Besucher strömen jeden Tag in die Wilhelmsaue und werden belohnt mit überwältigenden Farben und einer verwirrenden Auflösung von Flächen und Dimensionen. Das kapitalistische Statussymbol Auto wird als Plüschhase oder Bartresen verballhornt, das Ganze gemixt mit Musik und Performance. "Wandelism", kaum mehr als eine Atempause in der Hektik der Metropole, bleibt haften, überzeugt.


Wort und Bild: Uwe Schieferdecker