Leserreisen
Fuencaliente

Fuencaliente

La Palma

Grünes Paradies vor Afrika


La Palma liegt im Nordwesten der kanarischen Inselgruppe und ist vielleicht die schönste Insel des Archipels. Politisch ein Teil Europas, gehört sie geographisch eigentlich zu Afrika. War La Palma früher nur als Umsteigeverbindung über Teneriffa oder Gran Canaria erreichbar, bieten heute größere Flughäfen eine fünfstündige Non-Stop-Verbindung von Deutschland aus an.
Das Eiland wartet mit atemberaubenden Küsten, bizarren Vulkankratern und einer pittoresken Inselhauptstadt auf. Die touristische Infrastruktur ist gut ausgebaut, ohne dabei wie einige der Nachbarinseln unter den Touristenmassen zu ächzen. Nur eins ist La Palma nicht vordergründig - eine Badeinsel. Wohl gibt es auch hier eine Reihe von Stränden und reizvolle Buchten, ihren vulkanischen Ursprung kann sie dabei allerdings nicht verleugnen. So führt der Weg in den temperierten Atlantik über schwarzen Vulkansand. Ein ganz eigenes Erlebnis sind manchenorts die in das Felsengestein eingelassenen Becken. In La Fajana etwa rollen die mächtigen Wellen des Ozeans unentwegt gegen die Nordostküste. Die künstlichen Schwimmbecken in den Klippen geben den Badeenthusiasten Schutz vor den berüchtigten Meeresströmungen.
Was La Palma einmalig auf der Nordhalbkugel macht, sind die gewaltigen Observatorien unweit des Roque de los Muachachos. Obwohl die Insel mit rund 700 Quadratkilometern flächenmäßig kleiner als Berlin ist, erreicht sie eine Höhe von mehr als 2.400 Metern über dem Meeresspiegel. Mit einem eigenen Gesetz verhindert die Regierung inselweit nächtliches Streulicht. Da andere Lichtemittenten weit entfernt sind, finden Astronomen hier hervorragende Bedingungen zum Sternegucken vor. Bei der Einweihung des Observatorio Roque de Los Muchachos im Jahr 1985 waren allein vierzehn Nobelpreisträger angereist. Neben Deutschland hatten sich auch Spanien, Schweden, Großbritannien und Dänemark an dem Projekt beteiligt. Die Anreise von vier königlichen Hoheiten brachte die Organisatoren ins Schwitzen. Da half kein Verweis auf das Alphabet: Damit die vier bekrönten Häupter protokollgerecht gleichzeitig landen konnten, entstanden auf der rotbraunen Felskuppe hoch oben vier Hubschrauberlandeplätze.

Am Roque de los Muchachos

Am Roque de los Muchachos

Über den Wolken am Roque de los Muchachos

Über den Wolken am Roque de los Muchachos


Auch am Tag ist der Ausblick von hier überwältigend! Vom spitz zulaufenden Kraterrand der Caldera de Taburiente fällt der Blick jäh zwei Kilometer tief in den Kraterschlund. Bei meinem Besuch ragen nur einzelne Klippen aus dem dichten Wolkenmeer. Wer nicht höhenfest ist, den hebt der Blick nach rechts nicht minder an, wo tief unten die Wellen des Atlantiks branden. Unser Führer Kim schiebt den uralten Witz nach: "Schlechte Fahrer? Die gibt es auf La Palma nicht. Die liegen alle da unten…" und weist mit einem Grinsen in den Abgrund. Die Inselhauptstadt Santa Cruz de la Palma ist mit ihren 18.000 Einwohnern zwar recht klein, erfreut den Besucher aber mit ihrem historischen Stadtkern. Den prachtvollen Fassaden einschließlich der typischen verzierten Balkone sieht man einen soliden Reichtum an. Schließlich liegt La Palma auf dem Seeweg nach Amerika am weitesten von Europa weg. Daher füllten die Seeleute ihre Vorräte an Wasser und Lebensmitteln hier noch einmal ordentlich auf. Unter ihnen soll auch ein gewisser Christoph Kolumbus gewesen sein, der sich von La Palma auf den Weg nach Indien begab und dabei unversehens Amerikas entdeckte. Der Nachbau seiner Karavelle "Maria" auf der Plaza de La Alameda gehört heute zu den Wahrzeichen der Stadt.
Die engen Straßen und kleinen Plätze, ehrwürdigen Handelshäuser, jahrhundertealte Kirchen sowie das repräsentative Rathaus atmen förmlich Geschichte. Die schönsten balkonverzierten Häuser flankieren die Uferstraße Avenida Maritima. Erst kürzlich hat die Stadt den Parkplatz längs der Atlantikpromenade zu Gunsten eines Sandstrandes zurückgebaut. An manchen Tagen sind die Gassen überfüllt, dann hat ein Kreuzfahrtschiff am Landungskai festgemacht. Doch keine Sorge, spätestens am Abend sind die Touri-Horden zurück an Bord und in den vielen kleinen Cafés und Bars lässt sich wunderbar entspannt ein Cocktail oder ein Eis genießen.
Die Insel ist vulkanischen Ursprungs. Hoch oben im Nationalpark de Cumbre oder auf der Westseite der Insel unweit von Todoque ergossen sich in geologisch junger Zeit Lavamassen über die Insel. Besonders eindrucksvoll sind die Vulkane an der Südspitze. Der sympathische Ort Fuencaliente rühmte sich seiner heißen Quelle, wie schon der Ortsname besagt. Die heiße Quelle wurde allerdings 1667 bei einem Vulkanausbruch verschüttet. In der Bar La Parada tauche ich in das kanarische Leben ein und verfolge bei einem Espresso und den köstlichen hausgebackenen Mandelplätzchen das Treiben auf der Straße.
Unbedingt zu empfehlen ist der Besuch des Vulkankraters San Antonio. Der Weg führt über den Kraterrand - links der Kraterschlund und zur Rechten wieder der Atlantik. Tief unten ist ein kleiner Leuchtturm auszumachen, El Faro ist aber schon lange außer Betrieb. Dennoch lohnt - aus geographischer Sicht - der Besuch, denn es ist die Südspitze der Insel. Eine kleine Ausstellung führt mich an das Thema "Meer und Mensch in Harmonie" heran. Und schließlich lässt sich mit einem kleinen Rundgang durch die anschließende Saline die Kunst der Salzherstellung erfahren. Als authentisches Mitbringsel kaufe ich ein Säckchen Meersalz. Unterhalb des Leuchtturms erstreckt sich ein kleiner Hafen. Hier lohnt eine Kajaktour. Andere lohnenswerte Aktivitäten auf Insel sind das Paragliding oder - etwas profaner - eine Tour mit dem Mountainbike.

An der Punta de Fuencaliente

An der Punta de Fuencaliente

Kirche der Señora de La Luz in Santo Domingo de Garafía

Kirche der Señora de La Luz in Santo Domingo de Garafía

Santa Cruz de La Palma am Abend

Santa Cruz de La Palma am Abend




Wort & Bild: Uwe Schieferdecker